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| Funktion |
FunktionDas Wort Funktion (lateinisch functio = Verrichtung) bezeichnet
- eine Amtspflicht, der jemand nachzukommen hat.
- eine Abbildung zwischen Mengen, siehe Funktion (Mathematik).
- eine Unterroutine eines Programms, siehe Funktion (Programmierung).
- kurz das Funktionieren eines Systems, z.B. einer Maschine, eines Organs oder einer Organisation
- die Aufgabe oder den Zweck, dem ein Element in einem System nachkommt, siehe Funktion (Systemtheorie)
- in der Soziologie, siehe Soziale Funktion und Strukturfunktionalismus
- in der Betriebswirtschaftslehre, siehe betriebliche Funktion (z.B. Einkauf), umfassender:
- in der Organisation, siehe Funktion (Organisation)
- in Produktdesign und Architektur den Verwendungszweck eines Objektes
Siehe auch: Funktionalität
ja:関数
Abbildung (Mathematik)Eine Funktion drückt die Abhängigkeit einer Größe von einer anderen aus.
Traditionell werden Funktionen als Regel oder Vorschrift definiert, die eine Eingangsgröße (Argument, meist x) in eine Ausgangsgröße (Funktionswert, meist y) transformiert (überführt).
Häufig werden auch die Begriffe Abbildung und Operator für Funktionen verwendet.
In der Schulmathematik lernt man zunächst einfache Funktionen kennen wie:
:y = 2x + 3 oder y = x2.
Die Mathematik definiert Funktionen in den Begriffen der Mengenlehre.
Definition
Eine Funktion f weist jedem Element einer Definitionsmenge A (einem "x-Wert") genau ein Element einer Zielmenge B (einen "y-Wert") zu. Eine Funktion hat demnach die explizite Eigenschaft:
Jedem x-Wert aus dem Definitionsbereich wird genau ein y-Wert zugeordnet.
Oft kann man eine Zuordnungsvorschrift angeben, man nennt sie Funktionsgleichung.
Mengentheoretisch ist eine Funktion eine linkstotale und rechtseindeutige Relation, das heißt:
:Eine Funktion von der Menge A in die Menge B ist eine Menge f, die die folgenden Eigenschaften hat:
: - f ist eine Teilmenge von A × B (kartesisches Produkt), also eine Menge von Paaren (a, b), wobei a in A und b in B gilt.
: - zu jedem Element a von A gibt es genau ein Element b von B (geschrieben f(a)), so dass das Paar (a,b) Element von f ist.
Oft möchte man aber auch die Wertemenge B explizit Teil der Funktion machen, und definiert:
:Ein Tripel f = (A, B, R) bestehend aus zwei Mengen A und B sowie einer Relation R ⊆ A × B heißt Funktion von A nach B, wenn gilt: zu jedem Element a von A gibt es genau ein Element b von B (geschrieben f(a)), so dass das Paar (a,b) Element von R ist. Eine Funktion ist also durch ihren Graphen R und die Angabe der Menge B bestimmt.
Daneben gibt es noch den Begriff partielle Funktion, der besonders in der Informatik verwendet wird. Hier wird nicht verlangt, dass jedem Argument ein Wert zugeordnet wird, es wird lediglich verlangt, dass es höchstens einen zugeordneten Wert gibt. Dies ist keine Funktion im hier definierten Sinne; solche heißen in diesem Kontext totale Funktion.
Schreibweisen und Sprechweisen
- (bzw. f: A -> B im Textmodus) statt ,
- : "Funktion f von A nach B"
- (bzw. f: x -> f(x) im Textmodus) oder y = f(x) statt .
- : "x wird abgebildet auf f von x"
- : "x wird f von x zugeordnet"
- : "y ist f von x"
- : "y ist das Bild von x unter der Abbildung f".
Die Definitionsmenge A wird auch Definitionsbereich genannt, die Wertemenge B auch Wertebereich. Die Elemente von A heißen Funktionsargumente, salopp auch "x-Werte", die Elemente von B, heißen salopp auch "y-Werte". Funktionswerte heißen dagegen nur die Elemente von B, die tatsächlich als Bild eines Arguments auftreten.
Darstellung von Funktionen
Eine Funktion f:R->R kann man visualisieren, indem man ihren Graphen in ein Koordinatensystem zeichnet. Der Funktionsgraph einer Funktion f kann mathematisch definiert werden als die Menge aller Zahlenpaare (x|y), für die y=f(x). Der Graph einer stetigen Funktion bildet eine zusammenhängende Kurve.
Computerprogramme zur Darstellung von Funktionen heißen Funktionenplotter. Funktionenplotter gehören auch zum Funktionsumfang von Computer-Algebra-Systemen (CAS), matrizenfähigen Programmierumgebungen wie MATLAB, Scilab, Octave und anderen Systemen. Die wesentlichen Fähigkeiten eines Funktionenplotters sind auch auf einem graphikfähigen Taschenrechner verfügbar.
Beispiele
Die Normalparabel:
Die Nachfolger-Funktion:
Wichtige Begriffe
- Das Bild (engl.: image) eines Elements x der Definitionsmenge ist einfach f(x).
- Das Bild einer Funktion ist die Menge aller Bilder, also f(A) =
- Das Urbild eines Elements y der Wertemenge ist die Menge aller Elemente des Definitionsbereichs, deren Bild y ist. Man schreibt f -1(y) = . Man sagt auch Faser von y.
- Das Urbild einer Teilmenge M der Wertemenge ist die Menge aller Elemente des Definitionsbereichs, deren Bild Element dieser Teilmenge ist. f -1(M) = .
- Die Komposition ist die Verknüpfung von Funktionen durch Hintereinanderausführung (f o g)(x) = f(g(x)).
- Die Umkehrfunktion einer bijektiven Funktion weist jedem Element der Wertemenge das Urbildelement zu. (Bei bijektiven Funktionen hat das Urbild jedes Elements genau ein Element.)
- Ein Fixpunkt ist ein Element x des Definitionsbereichs von f, für das f(x) = x gilt.
Eigenschaften von Funktionen
Allgemeine Eigenschaften
- Eine Funktion ist injektiv, wenn jedes Element des Wertebereichs höchstens ein Urbild hat.
- Sie ist surjektiv, wenn jedes Element des Wertebereichs mindestens ein Urbild hat.
- Sie ist bijektiv, wenn sie injektiv und surjektiv ist, also wenn jedes Element des Wertebereichs genau ein Urbild hat.
- Sie ist idempotent, wenn f(f(x))=f(x) für alle Elemente x des Definitionsbereichs gilt.
- Sie ist eine Involution, wenn f(f(x)) = x für alle Elemente x des Definitionsbereichs gilt.
- Eine zweistellige Funktion f heißt kommutativ, wenn f(x,y)=f(y,x) für alle x und y aus der Definitionsmenge gilt.
Eigenschaften, die in der reellen und komplexen Analysis von Interesse sind
- Beschränktheit
- Differenzierbarkeit
- Glattheit
- Integrierbarkeit
- Konvergenz
- Monotonie
- Stetigkeit
- Konvexität
- Holomorphie
- Homogenität
Funktionen, die Strukturen beachten
Funktionen, die auf Zusammenhänge wie z.B. Operationen (Addition, etc.) in der Definitions- und der Wertemenge "Rücksicht nehmen", werden Morphismen genannt. Siehe Homomorphismus, Kategorientheorie.
Spezielle Funktionen und Funktionstypen
Es gibt unterschiedlichste Unterscheidungmerkmale und somit auch viele Namen für einzelne Funktionstypen.
Analytische Funktionen
analytische Funktion
- Algebraische Funktionen Eine Funktion ist algebraisch, wenn sie sich nur aus einer Verknüpfung der Grundrechenarten und Radizieren zusammensetzt.
- homogene lineare Funktion (auch: Proportionalität): allgemein beschrieben durch f(x) = m·x ; ist ein Homomorphismus bezüglich der Addition
- allgemeine lineare Funktion (oder affine Funktion): allg. beschrieben durch f(x) = m·x + n; siehe auch affine Abbildung
- Quadratische Funktion: allg. beschrieben durch f(x) = a·x2 + b·x + c (s. Quadratische Gleichung)
- Potenzfunktion
- Polynom-Funktion: allg. beschrieben durch f(x) = an·xn + an-1·xn-1 + ... + a1·x + a0 oder
- Rationale Funktion: Quotient zweier Polynom-Funktionen, f(x) = g(x)/h(x)
- Wurzelfunktion: besteht aus gebrochenrationalen Funktionen verknüpft durch die Grundrechenarten und Wurzelausdrücke
- Transzendente Funktionen Eine mathematische Funktion nennt man transzendent, wenn sie nicht nur aus einer Verknüpfung der Grundrechenarten und der Wurzelfunktion besteht. Hierzu zählen:
- Exponentialfunktion
- Potenzexponentialverteilung und Schwanenhalsfunktion
- Logarithmus
- Kreis- und Hyperbelfunktionen
- Trigonometrische Funktion: sin, cos, tan, cot, sec, csc
- Hyperbelfunktion: sinh, cosh, tanh, coth, sech, csch
- Arcus-Funktion: arcsin, arccos, arctan, arccot, arcsec, arccosec
- Area-Funktion: arsinh, arcosh, artanh, arcoth, arsech, arcosech
- Spezielle Funktionen
- Gammafunktion, Betafunktion, Zetafunktion
- Elliptische Funktion
- Hermitesches Polynom und Hermitesche Funktion
- Bessel-Funktion
- Legendre-Polynome
- Kugelflächenfunktionen
- Harmonische Funktion
- Hurwitzpolynom
- sonstige Funktionen
- Logistische Funktion
- Gaußsche Glockenkurve
- Lorentzkurve
- Voigt-Profil
Reelle Funktionen, die nicht analytisch sind
- Betragsfunktion
- Maximumfunktion und Minimumfunktion
- Gaußsche Ganzzahlfunktion
- Heaviside-Funktion
Weitere Funktionen
- Charakteristische Funktion
- Vorzeichenfunktion
- Primitiv-rekursive Funktion
- Ackermannfunktion
- Phifunktion
- Zahlentheoretische Funktion
- Deltafunktion
- Fehlerfunktion
- Lokal konstante Funktion
Siehe auch
- Funktionsschar
- Funktion höherer Ordnung
- Mathematik für die Schule
- Satz von der impliziten Funktion
- Funktion für weitere Bedeutungen des Begriffes
Kategorie:Analysis
Kategorie:Mengenlehre
ja:関数 (数学)
ko:함수 (수학)
th:ฟังก์ชัน (คณิตศาสตร์)
Funktion (Mathematik)Eine Funktion drückt die Abhängigkeit einer Größe von einer anderen aus.
Traditionell werden Funktionen als Regel oder Vorschrift definiert, die eine Eingangsgröße (Argument, meist x) in eine Ausgangsgröße (Funktionswert, meist y) transformiert (überführt).
Häufig werden auch die Begriffe Abbildung und Operator für Funktionen verwendet.
In der Schulmathematik lernt man zunächst einfache Funktionen kennen wie:
:y = 2x + 3 oder y = x2.
Die Mathematik definiert Funktionen in den Begriffen der Mengenlehre.
Definition
Eine Funktion f weist jedem Element einer Definitionsmenge A (einem "x-Wert") genau ein Element einer Zielmenge B (einen "y-Wert") zu. Eine Funktion hat demnach die explizite Eigenschaft:
Jedem x-Wert aus dem Definitionsbereich wird genau ein y-Wert zugeordnet.
Oft kann man eine Zuordnungsvorschrift angeben, man nennt sie Funktionsgleichung.
Mengentheoretisch ist eine Funktion eine linkstotale und rechtseindeutige Relation, das heißt:
:Eine Funktion von der Menge A in die Menge B ist eine Menge f, die die folgenden Eigenschaften hat:
: - f ist eine Teilmenge von A × B (kartesisches Produkt), also eine Menge von Paaren (a, b), wobei a in A und b in B gilt.
: - zu jedem Element a von A gibt es genau ein Element b von B (geschrieben f(a)), so dass das Paar (a,b) Element von f ist.
Oft möchte man aber auch die Wertemenge B explizit Teil der Funktion machen, und definiert:
:Ein Tripel f = (A, B, R) bestehend aus zwei Mengen A und B sowie einer Relation R ⊆ A × B heißt Funktion von A nach B, wenn gilt: zu jedem Element a von A gibt es genau ein Element b von B (geschrieben f(a)), so dass das Paar (a,b) Element von R ist. Eine Funktion ist also durch ihren Graphen R und die Angabe der Menge B bestimmt.
Daneben gibt es noch den Begriff partielle Funktion, der besonders in der Informatik verwendet wird. Hier wird nicht verlangt, dass jedem Argument ein Wert zugeordnet wird, es wird lediglich verlangt, dass es höchstens einen zugeordneten Wert gibt. Dies ist keine Funktion im hier definierten Sinne; solche heißen in diesem Kontext totale Funktion.
Schreibweisen und Sprechweisen
- (bzw. f: A -> B im Textmodus) statt ,
- : "Funktion f von A nach B"
- (bzw. f: x -> f(x) im Textmodus) oder y = f(x) statt .
- : "x wird abgebildet auf f von x"
- : "x wird f von x zugeordnet"
- : "y ist f von x"
- : "y ist das Bild von x unter der Abbildung f".
Die Definitionsmenge A wird auch Definitionsbereich genannt, die Wertemenge B auch Wertebereich. Die Elemente von A heißen Funktionsargumente, salopp auch "x-Werte", die Elemente von B, heißen salopp auch "y-Werte". Funktionswerte heißen dagegen nur die Elemente von B, die tatsächlich als Bild eines Arguments auftreten.
Darstellung von Funktionen
Eine Funktion f:R->R kann man visualisieren, indem man ihren Graphen in ein Koordinatensystem zeichnet. Der Funktionsgraph einer Funktion f kann mathematisch definiert werden als die Menge aller Zahlenpaare (x|y), für die y=f(x). Der Graph einer stetigen Funktion bildet eine zusammenhängende Kurve.
Computerprogramme zur Darstellung von Funktionen heißen Funktionenplotter. Funktionenplotter gehören auch zum Funktionsumfang von Computer-Algebra-Systemen (CAS), matrizenfähigen Programmierumgebungen wie MATLAB, Scilab, Octave und anderen Systemen. Die wesentlichen Fähigkeiten eines Funktionenplotters sind auch auf einem graphikfähigen Taschenrechner verfügbar.
Beispiele
Die Normalparabel:
Die Nachfolger-Funktion:
Wichtige Begriffe
- Das Bild (engl.: image) eines Elements x der Definitionsmenge ist einfach f(x).
- Das Bild einer Funktion ist die Menge aller Bilder, also f(A) =
- Das Urbild eines Elements y der Wertemenge ist die Menge aller Elemente des Definitionsbereichs, deren Bild y ist. Man schreibt f -1(y) = . Man sagt auch Faser von y.
- Das Urbild einer Teilmenge M der Wertemenge ist die Menge aller Elemente des Definitionsbereichs, deren Bild Element dieser Teilmenge ist. f -1(M) = .
- Die Komposition ist die Verknüpfung von Funktionen durch Hintereinanderausführung (f o g)(x) = f(g(x)).
- Die Umkehrfunktion einer bijektiven Funktion weist jedem Element der Wertemenge das Urbildelement zu. (Bei bijektiven Funktionen hat das Urbild jedes Elements genau ein Element.)
- Ein Fixpunkt ist ein Element x des Definitionsbereichs von f, für das f(x) = x gilt.
Eigenschaften von Funktionen
Allgemeine Eigenschaften
- Eine Funktion ist injektiv, wenn jedes Element des Wertebereichs höchstens ein Urbild hat.
- Sie ist surjektiv, wenn jedes Element des Wertebereichs mindestens ein Urbild hat.
- Sie ist bijektiv, wenn sie injektiv und surjektiv ist, also wenn jedes Element des Wertebereichs genau ein Urbild hat.
- Sie ist idempotent, wenn f(f(x))=f(x) für alle Elemente x des Definitionsbereichs gilt.
- Sie ist eine Involution, wenn f(f(x)) = x für alle Elemente x des Definitionsbereichs gilt.
- Eine zweistellige Funktion f heißt kommutativ, wenn f(x,y)=f(y,x) für alle x und y aus der Definitionsmenge gilt.
Eigenschaften, die in der reellen und komplexen Analysis von Interesse sind
- Beschränktheit
- Differenzierbarkeit
- Glattheit
- Integrierbarkeit
- Konvergenz
- Monotonie
- Stetigkeit
- Konvexität
- Holomorphie
- Homogenität
Funktionen, die Strukturen beachten
Funktionen, die auf Zusammenhänge wie z.B. Operationen (Addition, etc.) in der Definitions- und der Wertemenge "Rücksicht nehmen", werden Morphismen genannt. Siehe Homomorphismus, Kategorientheorie.
Spezielle Funktionen und Funktionstypen
Es gibt unterschiedlichste Unterscheidungmerkmale und somit auch viele Namen für einzelne Funktionstypen.
Analytische Funktionen
analytische Funktion
- Algebraische Funktionen Eine Funktion ist algebraisch, wenn sie sich nur aus einer Verknüpfung der Grundrechenarten und Radizieren zusammensetzt.
- homogene lineare Funktion (auch: Proportionalität): allgemein beschrieben durch f(x) = m·x ; ist ein Homomorphismus bezüglich der Addition
- allgemeine lineare Funktion (oder affine Funktion): allg. beschrieben durch f(x) = m·x + n; siehe auch affine Abbildung
- Quadratische Funktion: allg. beschrieben durch f(x) = a·x2 + b·x + c (s. Quadratische Gleichung)
- Potenzfunktion
- Polynom-Funktion: allg. beschrieben durch f(x) = an·xn + an-1·xn-1 + ... + a1·x + a0 oder
- Rationale Funktion: Quotient zweier Polynom-Funktionen, f(x) = g(x)/h(x)
- Wurzelfunktion: besteht aus gebrochenrationalen Funktionen verknüpft durch die Grundrechenarten und Wurzelausdrücke
- Transzendente Funktionen Eine mathematische Funktion nennt man transzendent, wenn sie nicht nur aus einer Verknüpfung der Grundrechenarten und der Wurzelfunktion besteht. Hierzu zählen:
- Exponentialfunktion
- Potenzexponentialverteilung und Schwanenhalsfunktion
- Logarithmus
- Kreis- und Hyperbelfunktionen
- Trigonometrische Funktion: sin, cos, tan, cot, sec, csc
- Hyperbelfunktion: sinh, cosh, tanh, coth, sech, csch
- Arcus-Funktion: arcsin, arccos, arctan, arccot, arcsec, arccosec
- Area-Funktion: arsinh, arcosh, artanh, arcoth, arsech, arcosech
- Spezielle Funktionen
- Gammafunktion, Betafunktion, Zetafunktion
- Elliptische Funktion
- Hermitesches Polynom und Hermitesche Funktion
- Bessel-Funktion
- Legendre-Polynome
- Kugelflächenfunktionen
- Harmonische Funktion
- Hurwitzpolynom
- sonstige Funktionen
- Logistische Funktion
- Gaußsche Glockenkurve
- Lorentzkurve
- Voigt-Profil
Reelle Funktionen, die nicht analytisch sind
- Betragsfunktion
- Maximumfunktion und Minimumfunktion
- Gaußsche Ganzzahlfunktion
- Heaviside-Funktion
Weitere Funktionen
- Charakteristische Funktion
- Vorzeichenfunktion
- Primitiv-rekursive Funktion
- Ackermannfunktion
- Phifunktion
- Zahlentheoretische Funktion
- Deltafunktion
- Fehlerfunktion
- Lokal konstante Funktion
Siehe auch
- Funktionsschar
- Funktion höherer Ordnung
- Mathematik für die Schule
- Satz von der impliziten Funktion
- Funktion für weitere Bedeutungen des Begriffes
Kategorie:Analysis
Kategorie:Mengenlehre
ja:関数 (数学)
ko:함수 (수학)
th:ฟังก์ชัน (คณิตศาสตร์)
ComputerprogrammEin Computerprogramm ist ein festgelegter Ablauf am Computer, mit dessen Hilfe ein bestimmtes Ziel erreicht werden kann. Der Ablauf besteht aus einer Folge von einzelnen Befehlen, die von einem Prozessor verarbeitet werden.
Die Erstellung eines solchen Programms bezeichnet man allgemein als Programmierung oder bezogen auf einen konkreten Lösungsweg (Algorithmus) als Implementierung.
Im Sprachgebrauch wird Computerprogramm meist zu Programm verkürzt oder der engl. Begriff Software (für Ein- und Mehrzahl) synonym verwendet.
Sowohl der in einer Programmiersprache verfasste Quelltext als auch der von einem Computer ausführbare Maschinencode werden als Programm bezeichnet. Um aus dem Quelltext den Maschinencode zu generieren, wird ein Assembler, Compiler oder Interpreter benötigt. Diese übersetzen die Befehle der Programmiersprache, die für menschliche Benutzer verständlich und bearbeitbar sein sollen, in die semantisch entsprechenden Befehle der Maschinensprache des verwendeten Computers.
Geschichte
Das erste Computerprogramm von Ada Lovelace
Als weltweit erstes Computerprogramm gilt eine Vorschrift für die Berechnung von Bernoulli-Zahlen, die Ada Lovelace in den Jahren 1842/1843 für die mechanische Analytical Engine von Charles Babbage erstellte. Dieses Programm konnte zu ihrer Zeit nur von Hand ausgeführt werden, denn wegen Fertigungsproblemen gab es im 19. Jahrhundert keine funktionsfähige Maschine.
Erste Programme auf Lochstreifen
In den Jahren 1936 bis 1941 entwarf Konrad Zuse die Rechner Z1 und Z3, die lange Befehlsfolgen auf einem Lochstreifen verarbeiteten, die ersten Computerprogramme, die auf realen Maschinen ausgeführt werden konnten. Die Rechner beherrschten die vier Grundrechenarten und Quadratwurzelberechnungen auf binären Gleitkommazahlen, der Lochstreifen enthielt jeweils eine Rechenoperation und eine Speicheradresse.
Auf Zuse geht auch die erste höhere Programmiersprache, Plankalkül, zurück. Damit lassen sich Probleme maschinenunabhängig formulieren und später in eine maschinenlesbare Form überführen.
Programme im Arbeitsspeicher
Der EDVAC-Rechner, der auf einem Entwurf von John von Neumann aus dem Jahre 1945 basiert, hatte einen Quecksilber-Verzögerungsspeicher für 1024 Fest- oder Gleitkommazahlen mit jeweils 44 Bits. Jede Speicherzelle konnte statt einer Zahl auch einen Befehl aufnehmen. Bei diesem Rechnerkonzept war es möglich, die Befehle eines Computerprogramms vor der Ausführung erstmals in den Arbeitsspeicher zu übertragen. Dies ist noch heute üblich. EDVAC wurde jedoch erst im Jahre 1951 teilweise fertiggestellt. Der Demonstrationsrechner Manchester SSE und der auf dem EDVAC aufbauende EDSAC-Rechner hatten schon vorher Programme aus dem Arbeitsspeicher ausgegeführt.
Höhere Programmiersprachen und Compiler
Ende der 1950er Jahre wurden Computer so leistungsfähig, dass spezielle Programme, Compiler, Quelltexte (englisch: Sourcecode) in höheren Programmiersprachen automatisch in Maschinenbefehle, also ausführbare Programme, übersetzen konnten. Ausführbare Programme können dann, wie beim EDVAC, in den Speicher geladen und abgearbeitet werden.
Mit Fortran, COBOL, ALGOL und LISP entstanden in den späten 1950er Jahren die ersten standardisierten höheren Programmiersprachen. Programme in diesen Sprachen laufen durch einen entsprechenden Compiler übersetzt auf unterschiedlichen Rechnern. Sie können teilweise auch noch auf modernen Computern eingesetzt werden.
Vom Algorithmus zum Programm
Berechnung des größten gemeinsamen Teilers
Es soll ein Programm zur Bestimmung des größten gemeinsamen Teilers (ggT) zweier Zahlen erstellt werden. Zunächst muss ein geeigneter Algorithmus gefunden werden.
Der euklidische Algorithmus, der bereits um 300 v. Chr. beschrieben wurde, ermittelt den größten gemeinsamen Teilers (ggT) zweier natürlicher Zahlen A und B:
# Sei A die größere der beiden Zahlen A und B (gegenenfalls vertauschen).
# Setze A = A – B.
# Wenn A und B ungleich sind, dann mit Schritt 1 fortfahren, wenn sie gleich sind, dann den Algorithmus beenden: Diese Zahl ist der größte gemeinsame Teiler.
Verwendung einer Programmiersprache
Sobald eine formale Beschreibung eines Algorithmus, also eine genau definierte Verarbeitungsvorschrift, vorliegt, kann der Algorithmus umgesetzt (implementiert) werden. Dazu wird eine geeignete Programmiersprache ausgewählt.
Zur Umsetzung wird heute meist eine höhere Programmiersprache verwendet, die von einem Computer eventuell nicht direkt ausgeführt werden kann, sondern zuerst compiliert oder interpretiert werden muss. In Sprachen wie Pascal dienen Variablen, Ausdrücke, Vergleiche, Zuweisungen und Kontrollstrukturen zur Umsetzung des ggT-Algorithmus:
( - Schritt3: - )
WHILE A <> B DO BEGIN ( - Solange A ungleich B - )
( - Schritt1: - )
IF B > A THEN BEGIN ( - Falls B größer als A - )
H = A; A = B; B = H; ( - A und B vertauschen - )
END; ( - Schritt2: - )
A = A-B; ( - A durch A-B ersetzen - )
END;
Berücksichtigung aller Sonderfälle
Bei der Umsetzung wird mit der Prüfung von Schritt 3 begonnen. Der ursprüngliche Algorithmus berücksichtigt nicht den Fall, dass A und B bereits zu Beginn gleich sein können. Wäre die Aufgabe, den größten Teiler von 103 und 103 zu finden, würde ein Mensch sofort das Ergebnis 103 nennen, er würde den Algorithmus gar nicht bemühen. Der originale Algorithmus würde aber null ergeben. Die Umsetzung auf einem Rechner muss auch alle Sonderfälle berücksichtigen. Durch das Vorziehen von Schritt 3 wird der Sonderfall hier korrekt behandelt.
Elementare Schritte
Pascal und andere Programmiersprachen besitzen keine Operation zum Vertauschen von Zahlen. Dies muss daher in elementarere Schritte umgesetzt werden. Eine zusätzliche Variable H, eine so genannte Hilfsvariable, erlaubt die Vertauschung mit Hilfe von drei Zuweisungen:
H := A; ( - Wert von A in der Hilfsvariablen H retten - )
A := B; ( - A mit dem Wert von B überschreiben - )
B := H; ( - B mit dem Wert von H (=A) überschreiben - )
Dies ist auch ein kleiner Algorithmus.
Ein vollständiges Programm
Damit hieraus ein korrektes Programm wird, muss der Algorithmus noch um Ein- bzw. Ausgabeanweisungen, oft jedoch auch um Variablen und eine Programmstruktur ergänzt werden. Diese sind nicht Teil des eigentlichen Algorithmus:
PROGRAM Ggt(Input,Output); ( - Programmkopf - )
VAR A,B,H: Integer; ( - Variablendefinition - )
BEGIN
ReadLn(A,B); ( - Eingabe von A und B - )
WHILE A <> B DO BEGIN ( - Euklidischer - )
IF B > A THEN BEGIN ( - Algorithmus - )
H := A; A := B; B := H;
END;
A := A-B;
END;
WriteLn(A); ( - Ausgabe von A - )
END. ( - Programmende - )
Übersetzung und Ausführung
Erst dieses Programm kann mit einem Texteditor in eine Datei geschrieben werden, die dann übersetzt und ausgeführt werden kann. Hierzu ist ein Compiler erforderlich, der den Code in der Programmiersprache in Maschinensprache übersetzt und das Ergebnis in eine ausführbare Datei schreibt. Diese kann dann über ein Betriebssystem gestartet werden. Das Programm muss dabei nur einmal übersetzt werden. Es kann danach beliebig oft gestartet werden. (Siehe auch Kompilierung).
Einige Programmiersprachen benötigen keinen Compiler, aber statt dessen einen Interpreter, der Programme ohne vorherige Übersetzung ausführen kann. Der Interpreter selbst ist dann ein ausführbares Programm in Maschinensprache.
Eine weitere Möglichkeit besteht in der Verwendung von Zwischencode (Bytecode), der vom Compiler an Stelle des Maschinencodes generiert wird. Ein Beispiel dafür ist Java: Der Java-Compiler erzeugt Bytecode, welcher dann auf der sogenannten Virtuellen Maschine ausgeführt wird. Die Virtuelle Maschine interpretiert oder übersetzt dann den Bytecode für das darunterliegende Betriebssystem.
Mittels spezieller Programme, so genannter Decompiler, ist es möglich, aus dem Maschinencode wieder einen in Hochsprache lesbaren Quelltext zu erzeugen.
Siehe auch
- Software
- Anwendungsprogramm
- Dienstprogramm
- Betriebssystem
Literatur
- John von Neumann: [http://www.virtualtravelog.net/entries/2003-08-TheFirstDraft.pdf First Draft of a Report on the EDVAC] 1945
Kategorie:Programmierung
ja:プログラム
th:โปรแกรม
Funktion (Programmierung)Eine Funktion oder Methode in der Programmierung von Computersystemen ist ein Stück zusammengehörenden Codes, der es erlaubt, eine bestimmte Aufgabe in wiederverwendbarer Art umzusetzen.
Funktionen können einen oder mehrere Aufrufparameter haben und liefern nach ihrem Ende (im Gegensatz zu Prozeduren) einen Funktionswert zurück. Funktionen werden typischerweise in Bibliotheken thematisch gebündelt. Neben Standardfunktionen, mit denen man zum Beispiel an die Schnittstellen des Betriebssystems ankoppeln kann, gibt es auch eigenständige Funktionen, die lediglich Daten verarbeiten. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, selbst Funktionen und Bibliotheken zu erstellen, um damit den eigenen Code modularer und wiederverwendbarer zu gestalten.
Funktionen, die, wenn sie mit den gleichen Parameterwerten aufgerufen werden, immer das selbe Ergebnis liefern, heißen pure Funktionen (englisch pure functions). Dazu gehören mathematische Routinen wie sin(x), log(x), jedoch z.B. nicht Zufallsgeneratorfunktionen (random).
Funktionen können, je nach Art der Parameterübergabe, auch Parameterwerte verändern, z.B. wenn inc(x) das Argument um eins erhöht (Inkrement). Funktionen, deren Aufruf ihre Argumente und ihre Umgebung niemals verändert, heißen nebeneffektfreie Funktionen.
Beispiel einer Funktionsvereinbarung in C:
int Summe(int a, int b)
Beispiel eines Funktionsaufrufs in C:
ergebnis = Summe(1, 2);
Beispiel einer Funktionsvereinbarung in Pascal:
FUNCTION Summe(a:Integer, b:Integer):Integer;
BEGIN
Summe := a + b;
END;
Beispiel eines Funktionsaufrufs in Pascal:
ergebnis := Summe(1, 2);
Siehe auch
- Compiler
- Funktionsobjekt
- Inline-Assembler
- Programmiersprache
- Syntax
- Unterprogramm
Kategorie:Programmiersprachelement
ja:関数 (プログラミング)
AufgabeDas Wort Aufgabe hat mehrere Bedeutungen:
- etwas zur Abfertigung abgeben (zB. Gepäckaufgabe)
- etwas, das erledigt werden muss,
- siehe Aufgabe (Pflicht), Auftrag,
- (Schule): Hausaufgabe, Arbeitsaufgabe, Rechenaufgabe
- das willentliche Beenden (Aufgeben) von Etwas, siehe Aufgabe (Beenden)
- die Kapitulation
- Aufgabe (Sport), im Ballsport
ZweckAls Zweck (Gr.: τέλος [telos], auch: `ού `ένεκα [hou heneka] , Lat.: finis, Engl.: purpose) wird der Beweggrund (movens) einer zielgerichteten Tätigkeit oder eines Verhaltens verstanden.
Das Ziel (Telos) als Anlass für eine Handlung wird als Zweck- oder Finalursache (causa finalis) bezeichnet. In der mit der Formulierung des Ziels einhergehenden Ziel- oder Zwecksetzung muß unterschieden werden zwischen
# einer Vorstellung der Wirkung der zielgerichteten Handlung,
# dem Bestreben dieses Ziel über die reine Vorstellung oder Imagination hinaus wirklich werden zu lassen und
# die Imagination eines Mittels, das formulierte Ziel zu erreichen.
In der Verwirklichung des Ziels (Zweckverwirklichung) werden folgende Schritte unterschieden:
# die Idee einer Wirkung,
# die Aktivierung einer Ursache oder eines Mittels und
# das Eintreten einer Wirkung oder die Verwirklichung des Zwecks. (Friedrich Kirchner, Carl Michaëlis)
Ein Zweck wird also in seinen kausalen Verhältnissen definiert und ist abhängig von einem die Zwecksetzung und -verwirklichung kalkulierenden Willen. In dieser Kausalität geht der Zweck dem gewählten Mittel - dem zwischen Zweck und Wirkung liegenden -, dem die Wirkung oder das Ziel folgt, voraus. Wer also den Zweck will, muß auch die "zweckmäßigen" Mittel wollen. Für Immanuel Kant ist der Zweck in der Einleitung der Kritik der Urteilskraft demnach "der Begriff von einem Objekt, sofern er zugleich den Grund der Wirklichkeit dieses Objektes enthält". In diesem Sinne ist die Verwirklichung eines Zweckes immer ein kausaler Prozess, der final determiniert ist und die Zweckmäßigkeit der Mittel bestimmt.
In kausalen Zusammenhängen ist der Zweck das Ergebnis von Ursache und Wirkung. Wird Zweck dagegen bewusstseinsimmanent betrachtet, also in der Antizipation im Bewusstsein und nicht als äußere Wirkung, stellt er sich als Ergebnis einer teleologischen Ordnung von Mittel und Zweck, als Beleg einer angenommenen Finalität dar, in der die Zweckmäßigkeit bestimmt ist durch einen zielgerichteten Entwicklungsprozess. Grundsätzlich besteht kein Widerspruch zwischen Kausalität und Teleologie, da nur der Schwerpunkt der Beobachtung verlagert wird. Entweder wird eine Entwicklung als Ergebnis von Ursache und Wirkung, oder aber als notwendige Bewegung auf ein vorbestimmtes Ziel metaphysischen Ursprungs, ein Telos hin verstanden.
Diese Zielsetzung ist also mithin abhängig von einem Bewusstsein, das sich und anderen Zwecke bestimmt, wobei diese Tätigkeit zum Muster der Zwecksetzung allgemein und auf eine Welt außerhalb des Bewusstseins übertragen wird. Die verschiedenen Epochen der Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte sind gekennzeichnet durch diese Bewegungen der Übertragung, respektive durch eine Abwehr derselben.
Anaxagoras hat als erster einen die Welt nach Zwecken gestaltenden Geist in die Philosophie eingeführt. Allerdings wird hier die Welt noch nicht nach einem teleologischen Muster organisiert. Sokrates dagegen begründet die Zweckmäßigkeit der Welt anthropozentrisch, wie es später auch die Stoiker tun, indem der in der Weltordnung verborgene Zweck auf den Menschen und sein Tun bezogen wird. Für Platon ist die zweckmäßige Gestaltung der Welt in der Idee und der Materie angelegt, sodass jede Entwicklung diesen dort wirkenden Notwendigkeiten quasi automatisch folgen muß (Timaios, Philebos).
Maßgeblich für die Entwicklung des Zweckbegriffs in der Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte ist jedoch Aristoteles, der die Zweckursache zu den Prinzipien der Dinge rechnet und grundsätzlich vier Ursachen (´αίτια [aitia]) unterscheidet:
# woraus wird etwas (´έξ `όν [ex hon]),
# was ist es der Form oder dem Muster nach (τί `εν ´είναι [ti en einai]),
# von woher hat es seinen Ausgangspunkt (´έξ `ού [ex hou]) und
# zu welchem Zweck ist etwas (`ού `ένεκα [hou heneka]) (Metaphysik, Buch V., Kap. 2; 1013a).
Auch Aristoteles geht dabei nicht von einer teleologischen Entwicklung aus, denn der Zweck, der eins mit der Form der Dinge ist, bestimmt aus den Dingen heraus ihre Entfaltung, ihr Werden in der Wirklichkeit aus einer angelegten Möglichkeit. Dieser materialistisch in den Dingen angelegte Zweck ist ihr Telos und so ist jede "natürliche" Entwicklung zweckmäßig und gut, denn in der Natur kann nichts ohne Zweck geschehen. Letzter Zweck ist der Gott oder das Schönste und Beste, angelegt in den Prinzipien und damit in den Dingen selbst (Metaphysik, Buch XII, Kap. 7; 1072b). Das Wesen der Dinge drückt sich in ihrer Erscheinung und Form aus und ist zugleich Zweck und Ursache des Werdens und der Entwicklung (Entelechie). Diese Entwicklung aber kann "zufällig" durch die Materie behindert werden, sodass das Zweckmäßige sich nicht entwickeln kann.
Die in der Scholastik stattfindende "Wiederentdeckung" der aristotelischen Texte steht ganz im Zeichen des Christentums und sucht in den Texten der Antike nach einer philosophischen Begründung christlichen Denkens. Die Ende des 12. Jahrhunderts, Anfang des 13. Jahrhunderts einsetzende Auseinandersetzung mit der arabischen Welt, vor allem in Spanien und deren Lektüre und Kommentare der aristotelischen Texte, ist nicht unumstritten und wird in Paris 1210 erst einmal misstrauisch verboten. Die Übersetzungen der griechischen Texte aus dem Arabischen eröffnen dem Mittelalter jedoch eine Fülle neuen Wissens, die in der Folge nicht mehr aus dem scholastischen Wissenschaftbetrieb wegzudenken ist. Vor allem zeigt sich aber, dass sich gerade die Metaphysik Aristoteles hervorragend dazu eignet, die christliche Heilserwartung zu begründen. Allerdings erfahren die aristotelischen Schriften eine dazu notwendige Uminterpretation, die sich schon in deren Übersetzungen zeigt. Die vier Ursachen des Aristoteles werden diskursbestimmend mit "causa materialis", "causa movens" (oder: "causa efficiens"), "causa formalis" und "causa finalis" übersetzt und gerade im Begriff des "causa finalis" zeigt sich die Wendung, die der Zweckbegriff in der christlichen Scholastik nimmt. Im theologischen Diskurs des Mittelaters wird aus der Teleologie der Natur, die Vorsehung eines Schöpfers, der in seiner Allwissenheit auch die Zukunft kennt. Die christliche Eschatologie, die Lehre von den letzten Dingen, findet im Begriff des "causa finalis" eine philosophische Begründung des teleologischen Ziels, auf das hin sich alles entwickelt. In dem Begriff der "Zweckursache" wird hier zum einen die kausale, zum anderen die finale Determination markiert und auf diesen so - als kosmisches Universalprinzip - bestimmten "finis ultimus" bewegt sich alles Seiende, bewußt oder unbewusst, notwendig aus seiner Entelechie zu. Diese Entwicklung gestaltet sich dabei so, als ob ein finaler Zweck - wie der Heilsplan Gottes - retroaktiv zur Ursache des Handelns wird. Die Zweckmäßigkeit der Welt wird aus den Attributen Gottes abgeleitet und im Zentrum der in dieser sichtbaren Ordnung steht der Mensch. Damit wird eine Tradition begründet, nach der alles Geschehen in der Welt von diesem Ziel aus retrospektiv erklärt wird und die erst mit der Evolutionstheorie Charles Darwins ein wissenschaftsgeschichtliches Ende findet.
Es ist diese Orientierung auf einen letzten Zweck hin, der in den verschiedenen Varianten der Teleologiekritik in den
Wissenschaftstheorien begegnet wird. Auch wenn Giordano Bruno noch die Zweckmäßigkeit der Welt beschreibt, stellt sich für die Renaissance eine so begründete Teleologie als "retroaktiver causa movens" (Stephen Toulmin) dar und es wundert nicht, dass die mathematisch-mechanistischen, auf Kausalitäten gegründeten Philosophien der Zeit, eine solche Begründung der Dinge und ihrer Entwicklung ablehnen. Prominent werden die Ansätze Francis Bacons, René Descartes' und Baruch de Spinozas, während noch Gottfried Wilhelm Leibniz darum bemüht ist, ein mechanistisches Weltbild mit dem der Teleologie zu verbinden: "La source de la mécanique est dans la métaphysique", wonach sich für Leibniz die Prinzipien der Physik nicht aus deren Gesetze ableiten lassen, sondern auf eine höhere Intelligenz verweisen müssen.
Für Immanuel Kant werden die Zwecke in die Objekte der Beobachtung projiziert und sind "kein Bestandteil der Erkenntnis des Gegenstandes". Durch diese Projizierung erscheinen die empirischen Gesetze der Natur, als seien sie von einem höheren Verstand so angelegt wie sie sind, weshalb ein angenommener Naturzweck der Dinge nur regulativer Begriff für die Urteilskraft sein kann, nicht aber konstitutiver Begriff der Vernunft. Dieser regulative Begriff muß als Element der reflektierenden Urteilskraft Bestand haben, weil für Kant die Entstehung der Dinge mit mechanistischen Ursachen allein nicht zu erklären ist (Krit. d. Urt., I. c. §77). Der Mensch und die Natur existieren in seiner "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" als "Zweck an sich selbst" (Grundlg. z. Met. d. Sitt. Abs. 2). Für den Deutschen Idealismus sind Mechanismus und Teleologie in einem höheren Prinzip vereinigt, weshalb für Johann Gottlieb Fichte jedes organisierte Produkt der Natur sein eigener Zweck ist, für Friedrich Wilhelm Joseph Schelling die Zweckmäßigkeit der Dinge unabhängig ist vom Mechanismus, und Ursache und Wirkung in einer Gleichzeitigkeit vereint sind. Für Georg Wilhelm Friedrich Hegel ist der Zweckbegriff eine einfache Bestimmtheit der Dinge und in diesen selbst angelegt.
Der Zweckbegriff in der Ethik
Mit der besonderen Definition der "Zweckursache" in der Scholastik als "finis ultimus", eröffnet sich eine ethische Fragestellung, in der das Objekt als Zweck einer Handlung im Mittelpunkt steht. Die moralische Qualität einer Handlung ist mithin abhängig von diesem Objekt und unter einer teleologischen Perspektive wird eine Hierarchie der ethischen Zwecke eröffnet, die sich notwendig an der Distanz zum dem in Gott bestimmten Endzweck orientiert. Das handelnde Subjekt ist zwar teleologisch determiniert, doch besteht seine Freiheit in der Möglichkeit die von ihm und anderen gesetzten Zwecke und den Endzweck zu erfüllen. Aus diesem Grund kann es für ein so bestimmtes Subjekt keine Adiaphora, keinen sittlich neutralen Wert geben, der gleichgültig zu behandeln wäre, wie noch in der Stoa, da alles im Bezug auf den einen Endzweck beurteilt wird (Thomas von Aquin, Sum. th. I/II, 18). Mit der teleologischen Bestimmtheit des sittlich Guten ist deshalb auch der Satz von der Heiligung der Mittel durch den Zweck nicht vereinbar, da auch der Zweck in seiner Distanz zum "causa causarum", dem Zweck der Zwecke, bewertet wird. Die so entstehende teleologische Zweckethik sichert die moralische Qualität des Werkes und formuliert als Kern eines jeden Gesetzes das für die Gemeinschaft Gute ("bonum comune") (Thomas von Aquin, Sum. th. I/II, 90). In diesem Sinne eröffnet Aquin eine Unterscheidung zwischen dem objektiven und dem subjektiven Zweck, um die besonderen Umstände einer Handlung berücksichtigen zu können. Der der Handlung immanente Zweck auf das Gute hin und die subjektive Intention decken sich allerdings nur im Idealfall, wodurch die Hierarchie der Zwecke entsteht.
Für Immanuel Kant ist der Mensch Zweck an sich und Endzweck, wodurch jede Ethik an den Menschen und seinen Willen gebunden wird. Dadurch spielt der ethische Zweckobjektivismus der traditionellen Moral keine Rolle mehr, als die besondere Gesinnung die zu einer Handlung führt, zu einer Bewertung derselben herangezogen wird. Ethisches Handeln wird nach dem Kategorischen Imperativ bewertet, nach welchem die eigene Person und die anderer "zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel" behandelt werden soll.
Da der Mensch aus seiner Vorstellung der Wirkung seiner zielgerichteten Handlung heraus agiert, niemals aber über die dazu rechten Mittel im voraus verfügen kann, da das sittliche Wissen "grundsätzlich nicht die Vorgängigkeit eines lehrbaren Wissens" hat (Hans-Georg Gadamer), ist das sittliche Leben im Ganzen immer nur ein Entwurf, der in einem Netz von Zwecken und Mitteln entsteht und in dem der Menschen, der Zweck an sich ist, im Mittelpunkt steht und so auf die geschichtliche Welt Einfluss nimmt.
Der Zweckbegriff in der Biologie
Die eigentliche anti-metaphysische und -teleologische Wende des Zweckbegriffs leiten die Naturwissenschaften zur Mitte des 19. Jahrhunderts und da vorrangig die Biologie ein. Diese Abkehr findet statt, obwohl sie ausgelöst wird durch Prozesse, die in teleologischen Begriffen, also mit der Annahme eines finalen Kausalzusammenhangs zu erklären wären. In das Zentrum der Beobachtung rücken dabei zwei Probleme, die Aristoteles nicht zum Thema gemacht hatte:
# wie lassen sich die "zweckdienlichen" Mechanismen organischer oder physiologischer Systeme erklären und
# wie die Vielfalt der Arten?
1876 hatte Claude Bernard gezeigt, dass Systeme genügend hoher Komplexität in der Lage sind, ziel- oder zweckabhängige Prozesse zu steuern und z. B. in warmblütigen Organismen für eine situationsabhängige Regulation der Körpertemperatur zu sorgen. Hatte Aristoteles in lebenden Organismen eine invariable Essenz, ein den Arten innewohnendes Wesen angenommen und damit jede mögliche Entwicklung von diesem festgeschriebenen Wesen abhängig gemacht, zeigte dagegen Charles Darwin 1859, dass die Entstehung und die Entwicklung von Arten und Variationen umweltabhängig zu erklären sind und einem "natürlichen" Optimierungsprozess folgen. Da es sich bei beiden um "unbewusste" Prozesse handelt, hätte die Annahme eines alles steuernden Prinzips nahegelegen. Da aber eine in der Physik mechanistisch organisierte Welterklärung nicht zulassen kann, dass das Ursache-Wirkungs-Verhältnis umgekehrt wird und die Ursache nach der Wirkung auftritt, gleichzeitig aber auch kein kosmisches, steuerndes Universalprinzip angenommen werden konnte, mußten Regelungsprozesse im System-Umwelt-Verhältnis angenommen werden. In beiden Beispielen wird deutlich, dass kausale Faktoren von außerhalb der Systeme Auswirkungen auf deren zweckabhängigen Prozesse haben und diese in einer System-Umwelt-Koppelung gesteuert werden. In solchen zielgerichteten und final determinierten Prozessen - im Falle Bernards ist dies die Homöostase, die Regelung eines inneren Milieus, im Fall Darwins die über Generationen erreichte optimale Umweltanpassung der Arten - zeigt sich der Zweck als die Realisierung eines Zieles, ohne dass ein Telos als kosmologisches Prinzip oder ein "retroaktiver Kausalzusammenhang" angenommen werden muß. Um diese Konnotation, die seit der Scholastik immer mit dem Begriff der Teleologie verbunden ist, zu vermeiden, bezeichnet sie Stephen Toulmin als "telische" ("telic"), Colin S. Pittendrigh als "teleonome" Prozesse.
In dem Zeitraum zwischen Darwins und Bernards Entdeckungen und den Anfängen der Kybernetik in den 1940er Jahren des letzten Jahrhunderts, wurden drei Bereiche biologischer Phänomene aufgezeigt, die teleonome Prozesse aufweisen:
# die homöostatische Teleonomie physiologischer Systeme,
# die programmierte Teleonomie molekular kontrollierter Morphogenese und
# die ökologische Teleonomie der natürlichen Auslese.
Als vierter bekannter teleonomischer Prozess wäre die in der Antizipation eines Ziels angelegte, bewusste Kalkulation und Handlung eines Menschen zu nennen. All diese Prozesse zeichnen sich durch adaptives Verhalten in einem System-Umwelt-Verhältnis aus (Humberto Maturana, Francisco J. Varela). Die Entdeckung der grundlegenden Bedeutung von adaptiv-regulativen Prozessen im Verhältnis von Systemen zu ihrer Umwelt, haben jedoch
nicht nur in den Naturwissenschaften paradigmatische Folgen gehabt, sondern auch in den Humanwissenschaften, die zuerst in Person von Emile Durkheim und Talcott Parsons die Theorie homöostatischer Interaktion auf soziale Prozesse anwendeten. Ebenso wurden von Soziobiologen, in der Folge von Konrad Lorenz, vorgeschlagen, im kollektiven sozialen Verhalten von Individuen "genetisch programmierte" Verhaltensweisen anzunehmen (Margery L. Oldfield und Janis B. Alcorn) und zur Erklärung kultureller Traditionen und sozialer Einrichtungen und deren Anpassung an veränderte Umweltbedingungen, werden evolutionär-optimierende Prozesse in Anlehnung an den Darwinismus angenommen (Stephen Toulmin, 1978).
Kybernetik, Systemtheorie und Konstruktivismus
Während man in der Mechanik davon ausgehen kann, dass Menschen keine Maschinen ohne Zweck bauen (Gordon Pask) und dass dieser "Zweck zu etwas" als inhärente Funktion in den Maschinen abgebildet ist, geht es der Biologie und der Kybernetik darum, wie ein Organismus in seinem Verhalten auf ein Ziel hin gesteuert ist.
Die in der Biologie aufkommende Fragestellung nach dem adaptiven und zweckbezogenen System-Umwelt-Verhältnis beobachteter Systeme und die konsequenten Veränderungen, die durch dieses Verhältnis im System und seiner Umwelt folgen, stehen auch im Kern der kybernetischen Bemühungen um Regelkreise, mit dem die teleonomen Prozesse physiologischer, sozialer und technischer Systeme beschreibbar werden. Arturo Rosenblueth, Norbert Wiener und Julian Bigelow beschreiben zu Beginn der "kybernetischen Bewegung" 1943 Systeme, die sich zweckbezogen zu ihrer Umwelt verhalten, als solche, die über eine Rückkoppelungsschleife ihr "Verhalten" adaptiv an dieser ausrichten und nennen dieses Verhalten teleologisch. Dabei wird offensichtlich, dass ein System, das sich zu seiner Umwelt adaptiv verhält, diese - in welcher Form auch immer - beobachten muss, um sein Verhalten, seine Handlungen an diese anpassen zu können. Das Ergebnis dieser Beobachtung wird also auf das eigene Verhalten rückgekoppelt. Diese Rückkopplung beeinflußt die eigenen Handlungen und Motivlagen u.U. maßgeblich, manchmal so sehr, dass eine Motiv- oder Zweckverschiebung stattfindet. Man spricht dann von einer Heterogonie der Zwecke (Wilhelm Wundt). Rosenblueth, Wiener und Bigelow beschreiben das
durch Feedback angepaßte Verhältnis zwischen System und Umwelt als eines der gegensätzlichen Beeinflussung: während der Output eines Systems dessen Umwelt manipuliert, verändern Ereignisse in der Umwelt als Input wiederum das System. Wenn diese Veränderungen in der Umwelt nicht zu direkten und strukturellen Änderungen am System führen, stellt sich hier die Frage, wie der Menschen, der als autopoietisches System strukturell geschlossen ist, durch Umweltereignisse solche Veränderungen an sich erfahren kann. Grundsätzlich geschieht dies durch die Beobachtung der Umwelt, seiner selbst und durch den Abgleich zwischen dem angenommen Ziel eines Verhaltens und den bis zum Zeitpunkt der Beobachtung erreichten Schritten dorthin. Diese Dynamik in dem Verhältnis zwischen System, Umwelt und den angenommenen Zielen beschreiben die Autoren als "negatives Feedback", also ein Feedback, das dazu angetan ist, das Verhalten eines System im Verhältnis zu seinem Ziel zu korrigieren. Dieser Ansatz macht die historische Grundlage der Kybernetik aus. Für Rosenblueth u. a. ist eine solche rückgekoppelte Beobachtung die Voraussetzung für ein zweckgesteuertes und in ihren Worten "teleologisches" Verhalten. Um aber einen Zweck in einer sich verändernden Umgebung, in der sich auch das zweckbestimmende System verändert, verfolgen zu können, ist es u.U. notwendig Voraussagen über einen zukünftigen Zustand oder Ort eines Ziel zu treffen. Beispiel für eine solche extrapolierende Zielverfolgung ist die Katze, die eine Maus fängt, dazu aber nicht an den in der Beobachtung aktuellen Standort der Maus springt, sondern an einen antizipierten zukünftigen. Ein solches zweckbezogenes Verhalten bedient sich dabei also einer Voraussage einfacher Ordnung. Erfährt das System während seiner Zweckverfolgung aber selber Veränderungen, ist eine Vorhersage mindestens der 2. Ordnung notwendig, da die eigenen Veränderungen im Bezug auf den Zweck in die Extrapolation eingebracht werden müssen. Das selbe gilt auch für den Fall, dass von dem System externe Objekte genutzt werde, seinen Zweck zu erreichen. Wirft man zum Beispiel einen Stein um die Maus damit zu treffen, müssen zuzüglich zur Bewegung der Maus auch die des Steins mitberechnet werden. Nach Rosenbleuth u.a. zeichnet sich der Mensch vor anderen Lebewesen gerade durch die Fähigkeit Voraussagen höherer Ordnung treffen zu können, aus. Noch komplizierter wird dieses Verhältnis eines Systems zu seiner Umwelt und die damit verbundenen Beobachtungen, wenn sich das Ziel in einer Reaktion auf die Handlungen des ursprünglich handelnden Systems verändert und - wie im dem Fall an dem Norbert Wiener in den Kriegsjahren arbeitete - zum Beispiel ein Flugzeug ausweichende Bewegungen macht, um nicht von einer Flak getroffen zu werden. Auch diese Zielveränderungen, als Ergebnis einer Beobachtung von Beobachtungen, müssen extrapoliert werden.
Der Begriff der Teleologie, der von Christian Wolff 1728 eingeführt wurde, um den finalen Zweck in der Metaphysik des Aristoteles und der metaphysischen, scholastischen Auslegung zu bezeichnen, ist also von Forschern wie Wiener unter neuen Vorzeichen wieder in die wissenschaftliche Debatte eingeführt worden, um ein erweitertes Konzept von Steuerung theoretisch fundieren zu können. Ein praktisches Problem war etwa, wie man Maschinen bauen könne, die auf ein Ziel zusteuern. Dazu anylsierten sie kritisch den Begriff des "Verhaltens" ("Behavior") und stellten der enggeführten Ausrichtung auf einfache Input-Output-Beziehungen eine komplexere, die spezifische Struktur und innere Organisation eines Systems reflektierende Sichtweise gegenüber, die sie unter dem Begriff "Teleologie" subsumierten. Dabei sollte das Konzept auf einem Abstraktionsniveau beschrieben werden, das es erlaubte, "Zielstrebigkeit" von Organismen und Maschinen gleichermaßen zu erfassen.
Für Heinz von Foerster dient der "Zweck" vor allem auch Erklärungsmodell von unterschiedlichem, aber auf das gleiche Ergebnis hin gerichtetem Verhalten: "Die Idee des Zwecks hat hier - aus einer Perspektive der zweiten Ordnung betrachtet - eine enorme Vereinfachung und Eindeutigkeit der Erklärungen geschaffen. Das ist der Zweck des Zwecks." Denn es gibt zahlreiche Phänomene in Natur und Gesellschaft, die nur mit grössten Schwierigkeiten kausal erklärt werden können. Diese Beziehungen lassen sich besser mit der Annahme einer Zielstrebigkeit beschreiben.
Im Kontext der soziologischen Systemtheorie (z.B. Niklas Luhmann) wird der Zweckbegriff unter funktionalen Rahmenbedingungen seines klassischen Gehalts (Entfaltung der Natur, kausale Bewirkbarkeit von Wirkungen) entkleidet und bezeichnet nunmehr die Einheit der Differenz von erstrebten und nicht erstrebten Zuständen. Unter dem funktionalistischen Paradigma wird die Setzung von Zweck-Mittel-Beziehungen als Einzeichnung von kontingenten (also funktional äquivalenten) Formen in das Medium der Kausalität verstanden.
Zwecksetzungen sind eine Eigenleistung eines Systems. Er bleibt daher an die zweckrelevanten Vorstellungen des Systems von seinem System-Umwelt-Verhältnis gebunden. In diesem Sinne werden Wertaspekte des Zweckbegriffes neutralisiert. Zweck meint nur noch die geschätzte Wirkung eines Handelns, also eines kontingent-selektiven Ereignisses. In diesem Sinne operieren Systeme grundsätzlich ateleologisch. Zwar verändern sich Systeme evolutionär, dies meint aber nur die Umformung von Unwahrscheinlichkeiten in Wahrscheinlichkeiten und keine in einem teleologischen Sinne deutbare Fortschrittsvorstellung.
Intentionalität wird dabei als simplifizierende Selbstbeschreibung eines im Medium Sinn operierenden Systems verstanden. Erst ein solches System kann sich oder einem anderen System ein Verhalten als bewusstes Handeln zurechnen, als zielgerichtet beobachten und in diesem Sinne deutend verstehen. Dabei sind die Motive selbst keine originäre Einrichtung eines psychischen Systems, sondern vielmehr letztinstanzlich kommunikativ gebildet. Ein Motiv in diesem Sinne ist ein Medium struktureller Kopplung zwischen psychischen und sozialen Systemen. Soziale Systeme erleichtern sich nämlich durch die Unterstellung oder Zurechnung von Motiven die Stabilisierung von Erwartungen.
Architektur und Bildende Kunst
Eine spezielle Rolle spielt der Zweck in der Ästhetik und der Kunst. So wird grundsätzlich schon anhand des Zwecks zwischen angewandter und freier, bildender Kunst unterschieden.
Für die angewandte Kunst gilt dabei meist eine klare Zweckbestimmheit, wobei sich aber Adolf Loos in seinem Essay Ornament und Verbrechen heftig vom sinnlosen Schmuck, Ornament (etwa in Architektur und Design) distanziert, die zur Erfüllung des jeweiligen Zwecks nicht notwendig seien, und somit nur ein Ärgernis darstellten. Er vertritt damit ein ähnliches Ideal wie die Schule des Bauhaus (Form follows Function). Ein reines Bedürfnis nach Schönheit allerdings, aus dem heraus eine eigentlich überflüssige ästhetische Gestaltung (z.B. im Barock) wie auch ihre Würdigung erklärt werden könnte, ist somit als alleiniger Zweck dieser "überflüssigen" Zierate problematisch, zudem abhängig vom jeweiligen Kunstbegriff und somit keinesfalls universal.
In der bildenden Kunst wurde seit dem Humanismus die ästhetische Bildung des Menschen als Zweck der Kunst betrachtet. Kant sah in seiner Kritik der Urteilskraft das interesselose Wohlgefallen als Bestimmung des ästhetischen Urteils. Die Theoretiker des L'art pour l'art sahen Kunst wiederum als Selbstzweck an. Bereits Heinrich Heine äusserte in einem Brief 1838: Kunst ist der Zweck der Kunst. In seiner Schrift Über die ästhetische Erziehung des Menschen stellte Friedrich Schiller seine Untersuchungen der Kunst und der Schönheit an, für Schiller gelangt der Mensch nur durch Schönheit zur Freiheit.
Hegel versuchte in seinen Vorlesungen über die Ästhetik [http://www.textlog.de/3640-5.html] den Zweck der Kunst zu ergründen, er ging dabei aus vom Kunstbegriff des 19. Jahrhunderts. Er fragt nach dem Inhalt von Kunst über die reine Nachahmung der Wirklichkeit hinaus, und sieht als einen Zweck der Kunst, daß die Kunst die Wildheit der Begierden zu mildern die Fähigkeit und den Beruf habe, kommt aber später zu dem Schluss, dass ja dann das Kunstwerk nur als ein nützliches Werkzeug zur Realisation dieses außerhalb des Kunstbereichs selbständig für sich geltenden Zwecks Gültigkeit haben würde. Hiergegen steht zu behaupten, daß die Kunst die Wahrheit in Form der sinnlichen Kunstgestaltung zu enthüllen, jenen versöhnten Gegensatz darzustellen berufen sei.
Eine ähnliche Ansicht vertrat später Martin Heidegger in seinem Aufsatz Die Frage nach der Technik, der darin auch die Kunst als das Rettende einer vom Gestell (der technisierten rationalen Welt, die auf Messbarkeit beruht, und nur quantitative Eigenschaften gelten lässt) existentiell bedrohten Menschheit ansah.
Aus der Kunst selbst wurden solcherlei Zielsetzungen allerdings immer wieder ganz bewusst hintergangen (z.B. Andy Warhol). Die autonome Kunst der Moderne ist durch zwei grundlegende Änderungen charakterisiert: Abkehr vom Mimesis-Prinzip, also von der Verpflichtung auf die Wirklichkeit als Maßstab der Nachahmung, und Ablehnung jeglicher externer Zweckbestimmung, auch religiöser oder ethischer Funktionsbestimmungen (wie etwa im 17. Jahrhundert).
Auch wenn der Kunst heute im Einzelfall vielfältige Aufgaben in der Gesellschaft zufallen mögen, so können weder ihr Nutzen, noch ihr Zweck ausserhalb ihrer eigenen Kategorien abschliessend definiert werden. Künstlerischer Ausdruck an sich ist nicht zweckgebunden, und ein Kunstwerk häufig zunächst dadurch identifizierbar, dass es keinem offensichtlichen Zweck dient.
So sieht auch das Grundgesetz mit seinem Grundsatz der Freiheit der Kunst keinen Zweck für diese vor.
Literatur
- Eduard Jan Dijksterhuis: The mechanization of the world picture: Pythagoras to Newton. Princeton, NJ : Princeton Univ. Press, 1986. ISBN 0-691-08403-3
- Michel Serres (Hrsg.): Elemente einer Geschichte der Wissenschaften. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1994. ISBN 3-518-58177-5
Antike Philosophie
- Aristoteles: Metaphysik. In. ders., "Philosophische Schriften", Bd. 5, nach der Übersetzung von Hermann Bonitz bearbeitet von Horst Seidl. Hamburg: Meiner, 1995. ISBN 3-7873-1243-9
- Platon: Sämtliche Dialoge. Hrsg. von Otto Apelt. Hamburg: Meiner, 1988. ISBN 3-7873-1156-4
Neuzeit
- Francis Bacon: Instauratio Magna. Novum Organum, sive Indicia vera de interpretatione naturae. 1620. Dt.: Franz Baco's Neues Organon. Übersetzt, erläutert und mit einer Lebensbeschreibung des Verfassers versehen von J. H. von Kirchmann, Berlin: L. Heimann, 1870 (Philosophische Bibliothek, Bd. 32).
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In: "Gesamtausgabe", Bd. 10, hrsg. von Petra Jaeger. Frankfurt a.M.: Vittorio Klostermann, 1997. ISBN 3-465-02914-3
- Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft. 1790. In: ders., "Werke in zwölf Bänden", Bd. 10. Hrsg. von Wilhelm Weischedel. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1977.
- Immanuel Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. In: ders., "Werke in zwölf Bänden", Bd. 7. Hrsg. von Wilhelm Weischedel. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1977.
- Christian Wolff: Philosophia rationalis sive logica. Frankfurt a.M, Leipzig: Renger, 1728. Nachdruck der Ausg. Helmstedt 1746 in: "Gesammelte Werke", Bd. 6: Christiani Wolfii philosophia rationalis sive logica. Hrsg. von Johann Nicolaus Frobesius, Hildesheim, New York: Olm 1980. ISBN 3-487-06969-5
Ethik
- Thomas von Aquin: Summa theologica. 1266-1273. Dt.: Über sittliches Handeln (Summa theologica I-II q. 18-21). Einleitung von Robert Spaemann und mit Beiträgen von Rolf Schönberger, übers. von Rolf Schönberger. Stuttgart, Lepzig: Reclam, 2001. (Latein-Deutsch) ISBN 3-15-018162-3
- Hans-Georg Gadamer: Hermeneutik I. Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik. Gesammelte Werke, Bd. 1. Tübingen: Mohr Siebeck, 1960. ISBN 3-16-145613-0
- Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft. 1788. In: ders., "Werke in zwölf Bänden", Bd. 7. Hrsg. von Wilhelm Weischedel. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1977.
- Immanuel Kant: Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. In: ders., "Werke in zwölf Bänden", Bd. 7. Hrsg. von Wilhelm Weischedel. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1977.
- Wilhelm Wundt: Ethik. Eine Untersuchung der Tatsachen und Gesetze des sittlichen Lebens. Stuttgart: F. Enke, 1912.
Biologie
- Claude Bernard: Leçons sur la Chaleur Animale, Paris: J.-B. Baillière et fils, 1876.
- Claude Bernard: Definition de la Vie. Paris: J.-B. Baillière et fils, 1878.
- Charles Darwin: The Origin of Species. London: Murray, 1859.
- Ernst Cassirer: Developmental mechanics and the problem of cause in biology. In: E. Cassirer (Hrsg.), "The Problem of Knowledge". New Haven: Yale University Press, 1950.
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- Stephen Toulmin: Kritik der Kollektiven Vernunft. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1978. ISBN 3-518-28037-6
Kybernetik / Systemtheorie
- Heinz von Foerster, John D. White, Larry J. Peterson, John K. Russell (Hrsg.): Purposive Systems. Proceedings of the First Annual Symposium of the American Society Cybernetics. New York, Washington: Spartan Books, 1968.
- Ernst von Glasersfeld: Teleology and the Concept of Causation. In: "Philosophica", Jg. 46, H.2, Gent: 1990, pp. 17-43.
- Talcott Parsons: On Building Social Systems Theory: a Personal History. In: "Daedalus", Vol. 99, Nr. 4, 1971.
- Gordon Pask: The meaning of cybernetics in the behavioural sciences (The cybernetics of behaviour and cognition; extending the meaning of "goal"). In: J. Rose (Hrsg.): "Progress of Cybernetics". London, New York: Gordon & Breach, 1969, pp. 15-44.
- Arturo Rosenblueth, Norbert Wiener, Julian Bigelow: Behaviour, Purpose and Teleology. In: "Philosophy of Science", Jg. 10, Chicago: 1943, pp. 18-24.
- Arturo Rosenblueth, Norbert Wiener: Purposeful and Non-Purposeful Behaviour. In: "Philosophy of Science", Jg. 17, Chicago: 1950, pp. 318-326.
- Stephen Toulmin: Teleology in contempory science and philosophy. In: "Neue Hefte für Philosophie", Jg. 20, Göttingen: 1981, pp.~140-152.
- Niklas Luhmann: Zweckbegriff und Systemrationalität. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1968.
Weblinks
[http://www.stangl-taller.at/STANGL/WERNER/BERUF/PUBLIKATIONEN/PARADIGMA/191Teleologie.PDF Werner Stangl, Das Problem der Teleologie (PDF-Dokument)]
Siehe auch
Teleologie
Kategorie:Metaphysik
Kategorie:Ethisches Prinzip
Kategorie:Kybernetik
simple:Purpose
ElementElement bedeutet allgemein Grundbestandteil oder Grundstoff bzw. Urstoff. Das Wort bezeichnet
- einen mengentheoretischen Begriff, siehe Element (Mathematik)
- ein Chemisches Element
- Vier-Elemente-Lehre (Feuer, Erde, Wasser, Luft)
- Fünf-Elemente-Lehre (Feuer, Wasser, Erde, Metall und Holz)
- ein Bauelement
- ein galvanisches Element
- ein Maschinenelement
- ein Konstruktionselement
- Element einer Auszeichnungssprache, siehe SGML-Element, HTML-Element, XML-Element
- ein geometrisches Werk des griechischen Mathematikers Euklid, siehe Euklids Elemente
- Elemente in den Sprachwissenschaften, siehe Sprachelement
- eine Zeitschrift Elemente der extremen Rechten
- den Namen Skateboardfirma Element
ja:エレメント
ko:원소
ms:Unsur
Funktion (Systemtheorie)Da technische Systeme künstliche Gebilde sind, werden sie von Menschen
nur dann erschaffen, wenn diese eine gewünschte Funktion erfüllen.
Aber auch natürliche Systeme erfüllen für den Menschen wichtige Funktionen zur Sicherung der Lebengrundlagen und der Rohstofferzeugung (Holz).
Die Funktion von technischen Systemen besteht in der Überführung der Eingangsgrößen
(Stoff, Energie, Information) unter Berücksichtigung von Parametern
in die umgewandelten Ausgangsgrößen (Stoff, Energie, Information).
Gelegentlich werden dabei auch die ein- und ausfließenden Finanzmittel berücksichtigt.
Die Funktion wird z.T. von mehreren Unterfunktionsbausteinen erfüllt, welche zu einem System
vernetzt sind, man benutzt zu Beschreibung dann die Black Box-Methode.
Es gibt Ansätze zur genormten Bezeichnung tech. Systeme nach ihrer Funktion
- Informationsumsatz ->Gerät
- Stoffumsatz ->Apparat
- Energieumsatz ->Maschine
Beispiele
Das System Bohrmaschine überführt die Eingangsgröße (el. Energie)
in die Ausgangsgröße (mech. Arbeit)
-> Funktion Bohren
Das System Computer überführt Eingabeinformationen in Ausgabeinformationen ->Vielfältige Funktionen
Das System Schule überführt das "Eingangsprodukt" Kind unter
Hinzuführung von Finanzmitteln in die Ausgangsgröße "wertvoller
zukünftiger Arbeitnehmer"
->Funktion Bildung und Erziehung.
Kategorie:Systemtheorie
SoziologieDie Soziologie beschreibt und untersucht die Struktur-, Funktions- und Entwicklungszusammenhänge der Gesellschaft. Sie ist eine Sozialwissenschaft, die sich nicht auf spezifische Themengebiete (wie etwa die Politikwissenschaft oder die Wirtschaftswissenschaften) festgelegt hat, sondern den Anspruch erhebt, mit einer Reihe von soziologischen Methoden das soziale Zusammenleben in Gemeinschaften und Gesellschaften zu erforschen. Dazu fragt die Soziologie nach dem Sinn und den Strukturen des sozialen Handelns sowie nach den damit verbundenen Normen und untersucht einerseits die Gesellschaft als Ganzes, aber auch ihre Teilbereiche, beispielsweise einzelne soziale Gebilde (bzw. Systeme, Institutionen, Gruppen und Organisationen). Zugleich wirft sie ihren Blick auf den sozialen Wandel, dem diese unterliegen.
sozialen Wandel]
Der Anspruch der Soziologie kommt in Max Webers Definition einer verstehenden und zugleich erklärenden Soziologie (§ 1, Wirtschaft und Gesellschaft) zum Ausdruck. Demnach ist Soziologie "eine Wissenschaft, welche soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will". Eine hochkomplexe Aufgabe - man verstehe und erkläre nur einmal die abgebildete Wiedergabe sozialer Handlungen auf dem Gemälde Renoirs (rechts) - ganz abgesehen von den Fragen, was über das soziale Zusammenleben die Tatsache verrät, dass es gemalt, ausgestellt und bewundert wurde.
Konkrete Themen, mit denen sich die Soziologie beschäftigt, sind beispielsweise Sozialstruktur, Arbeit, Migration, Geschlecht, soziale Netzwerke, Sexualität, Alltag und Lebenswelt. Für viele dieser Themen haben sich spezielle Soziologien etabliert (s.u.), andere -- wie etwa die allgemeine Frage nach den Wechselwirkungen von Handeln und Struktur -- sind Thema der allgemeinen Soziologie. Auch überschneiden sich die soziologischen Fragestellungen hier oft mit denen der Sozialpsychologie und mit anderen Sozialwissenschaften.
Geschichte der Soziologie
Für eine ausführlichere Darstellung siehe Geschichte der Soziologie.
Als eine eigenständige Wissenschaft gibt es die "Soziologie" erst seit Ende des 19. Jahrhunderts. Ihre Entstehungsgeschichte ist eng mit der Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft im Europa des 19. Jahrhunderts sowie mit der fortschreitenden Industrialisierung verbunden.
Als Begründer der Soziologie als eigenständige Wissenschaft gilt Auguste Comte. Die Soziologie im heutigen Sinne wird jedoch insbesondere auf Max Weber und Émile Durkheim zurück geführt.
Vorläufer der Soziologie sind in der Geschichtswissenschaft, der Nationalökonomie, aber auch im Journalismus und in den Policeywissenschaften zu sehen. Unmittelbare Vorläufer der Soziologie wie Karl Marx werden heute ebenfalls als soziologische Klassiker verstanden.
Doch hatten auch schon ältere Autoren Werke stark soziologischen Charakters geschrieben, etwa Xenophón, Polýbios, Ibn Khaldun, Giambattista Vico und Adolph Freiherr Knigge.
Gliederungen der Soziologie
Soziologische Theorien
Soziologie war nie eine Wissenschaft mit nur einem Paradigma. So lassen sich in der heutigen deutschsprachigen Soziologie mindestens vier große Ansätze unterscheiden.
- Der Rational Choice-Ansatz (bekannter Vertreter dieser Richtung: Hartmut Esser), auch als methodologischer Individualismus bezeichnet, führt Aggregatphänomene auf die Entscheidungen und das dementsprechende Handeln einzelner Individuen zurück und geht davon aus, dass hier rationale Wahlen auffindbar sind. Zwischen RC-Ansatz, quantitativer Methodologie und ökonomischer Theorie herrschen gewisse Affinitäten vor.
- Weiterhin einflussreich ist die Kritische Theorie, die inzwischen durch eine Nähe zum (französischen) Poststrukturalismus gekennzeichnet ist.
- Als eine dritte große und insbesondere im deutschsprachigen Raum einflussreiche Schule lässt sich die soziologische Systemtheorie im Gefolge von Talcott Parsons (vgl. zu ihm Strukturfunktionalismus) und Niklas Luhmann nennen. Soziologie moderner Gesellschaften wird hier nicht als eine Wissenschaft verstanden, die individuelles Handeln betrachtet. Gesellschaft wird vielmehr auf Kommunikationen und Nicht-Kommunikationen in sozialen Teilsystemen zugeschnitten.
- Zu nennen ist schließlich eine Vielzahl von Arbeiten, die sich grob einem interpretativen und qualitativ-rekonstruktiven Paradigma zuordnen lassen. Ausgehend von Phänomenologie und Pragmatismus stehen hierbei subjektive Sinnqualitäten und die Rekonstruktion der Entstehungsbedingungen, Verläufe und Konsequenzen sozialer Praktiken im Vordergrund.
Gliederung nach der Ebene sozialer Phänomene
Eine häufig vorzufindende Unterteilung der Soziologie unterscheidet zwischen dem Blick auf Gesellschaften (Makrosoziologie) und dem Blick auf das individuelle Handeln (Mikrosoziologie). Daneben wird teilweise eine Mesosoziologie als Soziologie einer intermediären Ebene, in der Handeln und soziale Systeme zusammentreffen, angeführt.
Mikrosoziologie (Individuum, Interaktion, Handeln)
- Methodologischer Individualismus (auch Rational-Choice-Theorie)
- Symbolischer Interaktionismus
- Phänomenologische Soziologie
- Konfliktsoziologie
- Figurationssoziologie
- Ethnomethodologie
- Situationsdynamik: If men define situations as real, they are real in their consequences. (Thomas-Theorem); zumal in der soziologischen Rollentheorie werden auch situative Rollen behandelt.
Mesosoziologie
- Soziologie der Institutionen, Rituale, Organisationen und sozialen Netzwerke.
Makrosoziologie (Kollektiv, Gesellschaft, System, Struktur)
- Funktionalismus
- Strukturalismus
- Strukturfunktionalismus
- Marxistische Soziologie
- Kritische Theorie (auch Frankfurter Schule)
- Systemtheorie
Soziologische Methoden
Um eine der Soziologie angemessene Methodik wurde seit den Anfängen der Disziplin im so genannten Methodenstreit gerungen. Das methodische Instrumentarium der Soziologie lässt sich wie folgt gliedern:
- Empirische Sozialforschung
- Qualitative Methoden
- Biografieforschung
- Grounded Theory
- Objektive Hermeneutik
- Qualitative Inhaltsanalyse
- Historische Soziologie
- Quantitative Methoden
Allgemeine und spezielle Soziologien
Schließlich lassen sich Themenbereiche der Soziologie auch danach unterscheiden, ob sie der allgemeinen Soziologie zuzurechnen sind, also generelle Gültigkeit beanspruchen, oder ob es sich dabei um Themen einer speziellen Soziologie handelt.
Allgemeine Soziologie
Der Allgemeinen Soziologie werden die für das Fach wichtigen theoretischen Ansätze und auch Sachgebiete wie das Verhältnis von Akteur und Gesellschaft bzw. Person und sozialem System, sowie die Struktur und der Wandel von Gesellschaften/sozialen Systemen zugerechnet. Themen der Allgemeinen Soziologie sind u.a. soziales Handeln und soziale Beziehung, soziale Ungleichheit, Gruppen, Sozialisation, sozialer Wandel, Soziale Mobilität, Methoden der empirischen Forschung, soziale Rollen, Tausch, Klasse, Elite, Macht und Herrschaft etc.
Spezielle Soziologien
Spezielle Soziologien - informell auch Bindestrichsoziologien genannt - befassen sich mit den Strukturen und Prozessen gesellschaftlicher Teilsysteme oder institutioneller Bereiche der Gesellschaft. Zu den wichtigisten speziellen Soziologien gehören Arbeitssoziologie, Familiensoziologie, Politische Soziologie. Durch die zunehmende Differenzierung auch der Soziologie selbst bilden sich laufend weitere spezielle Soziologien.
Eine ausführliche Auflistung gibt die Liste spezieller Soziologien.
Angewandte Soziologie
Der Erfolg einer soziologischen Theorierichtung ist nicht nur von ihrer intellektuellen Tüchtigkeit und wissenschaftlichen Bedeutung abhängig, sondern -- wissenschaftssoziologisch gesehen -- durchaus auch von der Nachfrage nach soziologischer Beratung durch den Markt beziehungsweise durch die Politik.
Hier wird in der Soziologie am meisten in den Bereichen der Markt- und Wahlforschung verdient, was die Entwicklung der quantitativen Methoden (Statistik) und der an die Naturwissenschaften angelehnten Theorieansätze relativ begünstigt - die Fragen sind meist eingeschränkt und auf die allernächste Zukunft bezogen. Hier kam es (zuerst in den USA, seit den späten 1940er Jahren auch in Deutschland) zur Gründung von Umfragefirmen und Meinungsforschungsinstituten.
Mit den Auswirkungen gesellschaftlicher Prozesse auf die Raumstruktur befasst sich die Stadtsoziologie (vgl. auch Sozialer Raum). (Dabei wird häufig auch mit Methoden der Geographie gearbeitet.)
Einige spezielle Soziologien (Militär-, Medizin-, Sport- und Katastrophensoziologie) sind einigermaßen auf Beratung eingestellt, nicht aber mehr die Industriesoziologie, seit ab den 1970er Jahren das Fach aus den "Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen" Fakultäten (Fachbereichen) in die Philosophischen hinüber gewandert ist.
Diktaturen haben vor allem vor einer die Mentalität der Bevölkerung berücksichtigenden und darüber Auskunft gebenden Soziologie Angst; bei besonderem (dann oft geheimem) Beratungsbedarf erlauben sie gelegentlich soziologische Fragestellungen (sehr typisch in der DDR im Bereich der Stadt- und Jugendsoziologie).
Einführende Bücher in die Soziologie
- Günter Endruweit / Trommsdorff, Gisela (Hgg.) - Wörterbuch der Soziologie; 2. Aufl., Stuttgart 2002
:Eine kundige und zur Zeit (2004) auch die neueste Übersicht im Handbuchcharakter mit zahlreichen Mitarbeiter/inne/n. Doch bleiben auch die anderen erhältlichen soziologischen Wörterbücher empfehlenswert.
- Wolfgang Eßbach - Studium Soziologie UTB, 1996.
:Überblick über die Entstehungsgeschichte der Soziologie, ihre heutigen Anwendungsfelder, das Soziologiestudium und wichtige Grundbegriffe.
- Anthony Giddens: Soziologie; 2. überarb. Auflage; aus dem englischen (Sociology), 1997 Nausner& Nausner
: "Das Standardwerk im englischsprachigem Raum vom Cambridgeprofessor ISBN 3-901402-22-5
- Dirk Kaesler (Hg.) - Klassiker der Soziologie; München 2000; C.H. Beck Verlag
:Wiederum in zwei Bänden zeigt eine jüngere Generation von Soziologen im Rahmen von jeweils 20 Seiten, wer cum grano salis die Klassiker sind. Einunddreißig von ihnen werden erstens in ihrem Leben und dem zeitgenössischen Kontext, zweitens in ihrem Werk und deren wichtigsten Begriffen und drittens in ihrer Wirkung auf das zeitgenössisches soziologisches Denken und auf die gegenwärtige internationale Soziologie dargestellt. Diese beiden Bände helfen, die Klassiker kurz zu rekapitulieren und in eine Geschichte zu verorten.
- Walter M. Sprondel - Über das Verhältnis der Soziologie zu den Geisteswissenschaften, in: Florian Keisinger u. a. (Hrsg.): Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte, Frankfurt a. M./New York 2003 ISBN 359337336X
- Annette Treibel - Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart; 6. Aufl. Wiesbaden 2004. VS Verlag
:Teil des Einführungskurses in die Soziologie in vier Bänden. In diesem Band werden die soziologischen Theorien in ihrer Struktur aufgearbeitet und vorgestellt.Gleichzeitig werden Verbindungslinien gezogen um das Geflecht der unterschiedlichen Ansätze transparenter zu machen.
Weblinks
- [http://www.soziologie.uni-freiburg.de/fachschaft/studium/wasistsoz.php Was ist Soziologie ]
- [http://www.socioweb.de/seminar/einfuehrung/index.htm Soziologie-Lexikon] mit über 2000 Einträgen
- [http://agso.uni-graz.at/lexikon/ 50 Klassiker der Soziologie]
- [http://www.uni-marburg.de/soziologie/schwerpunkte/nojs.html Universität Marburg], FB Soziologie: Erläuterte Systematik der Forschungsschwerpunkte
- [http://www.soziologie.de DGS - Deutsche Gesellschaft für Soziologie]
- [http://www.bds-soz.de BDS - Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen]
- [http://wwww.gesis.org/ GESIS] Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen e.V.
- [http://www.valt.helsinki.fi/esa/ ESA - European Sociological Association]
- [http://www.ucm.es/info/isa/ ISA - International Sociological Association]
Siehe auch
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