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Architektur
Einen umfassenden Einstieg in die Thematik der Architektur und des Bauens bietet auch das Portal:Architektur und Bauwesen.
Begriff
Das Wort Architektur ist zusammengesetzt aus den griech. Wörtern αρχη [arché] (= Anfang, Ursprung, Grundlage, das Erste) und τεχνη [techné] = Kunst, Handwerk. Es ließe sich daher wörtlich mit „Erstes Handwerk“ oder „Erste Kunst“ übersetzen.
Die ursprüngliche Verwendung des Wortes Architektur bezieht sich auf die Tätigkeit und das Wissen des Architekten: altgriechisch architéktos = Oberster Handwerker (Zimmermann), Baukünstler, Baumeister. Die Definition dessen, was „Architektur“ heute ist, hängt demnach vom Berufsfeld des Architekten ab. Der Begriff hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder gewandelt und ist in ganzen Tiefe nur historisch fassbar.
Die Vieldeutigkeit des Wortes Architektur ist vor allem geprägt durch den zweiten Wortteil [techné] und die architektur-theoretischen Interpretationen darüber: Er kann verstanden werden als Kunst, Technik oder Tektonik. Alles dies sind Aspekte, die Architektur gleichermassen und in jeder Hinsicht umfassen und als Begriff mitbeschreiben und sie deutlich zur Bautechnik abgrenzen. Zur Unterscheidung der Definition von Architektur in qualitativer Hinsicht siehe den folgenden Abschnitt "Genauere Definition und Theoriebildung".
Die übertragenen Bedeutungen des Wortes Architektur können aus der „tektonischen“ Interpretation abgeleitet werden. Mit Architektur kann die strukturell organisierte Beziehung von materiellen wie ideellen Teilen oder Modulen beschrieben werden(z.B. in einer Wand (Organisation/Struktur) bestehend aus Mauersteinen (Modul) nach dem Prinzip von Tragen und Lasten (Beziehung)). Dabei wird allerdings das gestaltprägende Element, das in der Regel durch das Wort Architektur mitgemeint ist, vernachlässigt.
Allgemeine Definition
Während Architektur über Jahrhunderte im allerweitesten Sinne als Bauen jeglicher Art verstanden wurde (daher der Begriff Baukunst), wird inzwischen Architektur schon viel öfter über seinen Raum schaffenden Charakter definiert (Raumkunst). Architektur besteht aus diesem Blickwinkel in der Dualität von Raum und Hülle. Architektur schafft eine Grenze zwischen außen und innen. Architektur generiert durch diese Grenze bzw. Hülle einen Raum zum Aufenthalt und Tätigwerden von Menschen, sowie zur Aufbewahrung seiner Dinge, geschützt vor den unerwünschten Einflüssen der Außenwelt (vergleiche Kleidung).
Genauere Definition und Theoriebildung
Die genaue Definition von Architektur ist insbesondere seit Beginn des 20. Jahrhunderts umstritten. Entsprechend werden die meisten Definitionsversuche nur im Kontext bestimmter Debatten um Inhalt, Aufgabe und Bedeutung der Architektur verständlich, wobei auch das jeweilige zeitgenössische Bauen mit seinen ästhetischen, technischen, ökonomischen und politischen Implikationen zu berücksichtigen ist. Ähnlich wie beim Begriff des Kunstwerkes scheint es beim Architekturbegriff nicht möglich, sich auf die bloße Beschreibung eines Wortes oder einer Sache zu beschränken.
Jede differenziertere Begriffsbestimmung erweist sich bei näherer Betrachtung als ein Ringen um Definitionshoheit und Geltungsmacht (siehe hierzu die Schriften des französischen Philosophen Michel Foucault). In diesem Fall darüber, wie Etwas beschaffen sein soll, damit es als „Architektur“ bezeichnet werden darf oder kann - – besonders wenn es sich durch festzulegende Codierungen um Dinge von „erhöhtem“ Wert handeln soll. Aufgrund des so implizierten normativen Aspektes bleibt jede inhaltliche Bestimmung von Architektur kontrovers und ist im Kern ideologisch geprägt. Jeder (inhaltliche) Definitionsversuch - soweit er eine Reflexion enthält - ist bereits Architekturtheorie.
Ein einflussreicher (und stark ideologisch gefärbter) Diskurs darüber, was Architektur eigentlich sei, was Aufgabe des Architekten zu sein habe, ist die Unterscheidung von „Architektur“ und „bloßen Bauen“. Diese Gegenüberstellung soll Architektur anhand einer besonderen gestalterischen Qualität vom einfach nur Nützlichen oder Notdürftigen unterschieden und führt zur Frage, ob und wodurch sie sich auszeichne oder gar zur Baukunst werde (siehe dazu auch Ästhetik). Dabei hat sich die herrschende Auffassung dessen, was bei Entwurf und Herstellung eines Bauwerkes die konstitutiv architektonische Leistung sei und damit das Bauwerk über das rein Zweckhafte hinaus erhebe, im Laufe des vergangenen Jahrhunderts deutlich gewandelt: Bis Ende des 19. Jahrhundert war es vor allem die Verwendung bestimmter überlieferter Bauformen - der sogenannte Stil - mit meist reichen ornamentalen Ausschmückungen, in denen sich der künstlerische Rang als Mehrwert und Schönheit eines Bauwerkes in bewusster Opposition zu einer Sphäre purer Pragmatik] manifestierte. Hingegen wurde mit dem sog. [[Funktionalismus]] des 20. Jahrhunderts ein Begriff von Architektur vorherrschend, der auf den ersten Blick nur zweckhaft bedingte Gebäude (auch Ingenieurkonstruktionen) als Architektur verstanden wissen wollte. Dabei wurden die konstruktiven, [[proportionsgebenden und raumbildenden Aspekte des Bauens zum eigentlichen gestalterischen Thema von Architektur erklärt. Mitunter hat man auch die geringfügigsten gestalterischen Interventionen im Rahmen funktionalistischer Planungen in den Rang einer (bau-)künstlerischen Leistung erhoben. Zugleich wurde mit zahlreichen Proklamationen zur „Modernität“, „Fortschrittlichkeit“ und dem „Ausdruck unserer Zeit“ eine symbolische Überhöhung oder Verklärung der funktionalistischen Architektur angestrebt.
Nach mehreren Versuchen, diese Auffassung in der sog. Postmoderne und dem Dekonstruktivismus zu revidieren, lebte das funktionalistische Architekturverständnis wieder auf. Inzwischen kam die Frage nach dem Vorrang und der Bedeutung der Konstruktion in der Architektur im Verhältnis zu ihren formalkünstlerischen Aspekten zu erneuter Aktualität (siehe dazu: Technizismus, Architektur ohne Architekten).
Zitate zum Thema Architektur
Die folgenden Beispiele von Definitionsversuchen illustrieren die Kontroverse um die Bestimmung von Inhalt und Aufgabe der Architektur und zeigen zugleich wie aktuell die Frage bleibt, wann Bauen überhaupt als „Architektur“ anzusehen sei und was in Abgrenzung vom bloß Nützlichen und bloß Künstlerischem ihre eigentliche Qualität ausmacht:
Architektur ohne Architekten Skizze von Leonardo da Vinci, 1485/90, Venedig, Galleria dell' Accademia]]
- Nach Vitruv (De Architectura) beruht Architektur auf drei Prinzipien: Stabilität (Firmitas), Nützlichkeit (Utilitas) und Schönheit (Venustas).
- Architektur ist Harmonie und Einklang aller Teile, die so erreicht wird, dass nichts weggenommen, zugefügt oder verändert werden könnte, ohne das Ganze zu zerstören. (Leon Battista Alberti 1452 in: De re aedificatoria)
- Dabei ist meist angenommen worden, dass ein Bauwerk erst anfange ein Kunstwerk zu werden, wenn es mehr tue als dem bloßen Bedürfnis zu genügen. (Hermann Muthesius 1908 über den Architekturbegriff des 19. Jahrhunderts in: Die Einheit der Architektur)
- Hermann Muthesius] Nur ein ganz kleiner Teil der Architektur gehört der Kunst an: Das Grabmal und das Denkmal. Alles andere, alles, was einem Zweck dient, ist aus dem Reiche der Kunst auszuschließen. Denn: Das Haus hat allen zu gefallen. Zum Unterschiede zum Kunstwerk, das niemandem zu gefallen hat. Das Kunstwerk ist eine Privatangelegenheit des Künstlers. Das Haus ist es nicht. Das Kunstwerk wird in die Welt gesetzt, ohne dass ein Bedürfnis dafür vorhanden wäre. Das Haus deckt ein Bedürfnis. Das Kunstwerk ist niemandem verantwortlich. Das Haus einem jedem. Das Kunstwerk will die Menschen aus ihrer Bequemlichkeit reißen. Das Haus hat der Bequemlichkeit zu dienen. Das Kunstwerk ist revolutionär, das Haus konservativ. Das Kunstwerk weist der Menschheit neue Wege und denkt an die Zukunft. Das Haus denkt an die Gegenwart. (Adolf Loos 1910 in dem Essay "Architektur")
- Architektur ist das kunstvolle, korrekte und großartige Spiel der unter dem Licht versammelten Baukörper. Unsere Augen sind geschaffen, die Formen unter dem Licht zusehen: Lichter und Schatten enthüllen die Formen. Die Würfel, Kegel, Kugel, Zylinder oder die Pyramiden sind die großen primären Formen, die das Licht klar offenbart; ihr Bild erscheint uns rein und greifbar, eindeutig. Deshalb sind sie schöne Formen, die allerschönsten. Darüber ist sich jeder einig, das Kind, der Wilde und der Metaphysiker. Hier liegen die Grundbedingungen der bildenden Kunst. (Le Corbusier 1922 in: Vers une architecture.)
- Das Schlagwort «das Zweckmäßige ist auch schön» ist nur zur Hälfte wahr. Wann nennen wir ein menschliches [Gesicht]] schön? Die Teile eines jeden Gesichts dienen einem Zweck, aber nur wenn sie vollkommen sind in Form, Farbe und wohlausgewogener Harmonie, verdient das Gesicht den Ehrentitel „schön“. Das gleiche gilt für die Architektur. Nur vollkommene Harmonie in der technischen Zweck-Funktion sowohl wie in den Proportionen der Formen kann Schönheit hervorbringen. Und das macht unsere Aufgabe so vielseitig und kompliziert. (Walter Gropius 1955 in: Architektur)
- Architektur hat mit Kunst nichts zu tun, ist reine Gedankenarbeit. Architektur entsteht heute nach ökonomischen, konstruktiven und funktionellen Gesetzmäßigkeiten. Wir stehen im harten Kampf mit der Wirklichkeit. Und wenn dann noch etwas Ähnliches wie das, was man mit dem Attribut Kunst bezeichnet dazukommt, dann kann man in seinem Leben von einem unwahrscheinlichen Glück sprechen. (Egon Eiermann in: Grosse Architekten HäuserBuch-Verlag)
- Architektur ist Wissen um die Technik, Empfänglichkeit gegenüber der künstlerischen Seite der Angelegenheit. (Arne Jacobsen)
- Architektur und Städtebau sind weder kultureller Luxus noch entbehrliche Dekoration. Vielmehr erwächst aus diesen grundlegenden Bausteinen einer Stadt lebenswerte Umwelt und städtische Identität. (Aus der Zielsetzung des Wiesbadener Architekturzentrum)
- Architektur ist, unabhängig davon, wie profan oder anspruchsvoll der Zweck ist, dem sie dient, letztlich die Gesamtheit der durch Menschenhand veränderten Umwelt und damit eine kulturelle Leistung der Menschen (Meinhard von Gerkan 1982 in: Die Verantwortung des Architekten)
- Mit diesem Märchenglauben an die magischen Kräfte der Architektur, Herz und Seele des Menschen, ja die gesamte Gesellschaft zu revolutionieren, beginnt im 20. Jahrhundert die Geschichte der Überfrachtung der Architektur mit Erlösungsfantasien des Fortschritts. Seither geht es nicht mehr ums Bauen, sondern um das Schaffen von Symbolen. Auch nicht mehr darum zu erforschen, wie eine Stadt tatsächlich funktioniert, wie mit welcher Art von Architektur und Typologie welcher urbanistische Eingriff präzise durchgeführt werden kann. Wichtiger wird, mit möglichst spektakulären Bildern der Gesellschaft Heilserwartungen eines freundlicheren und gefälligeren Lebens zu verkaufen. (Fritz Neumeyer 1994 in: Die Architekturkontroverse in Berlin.)
- Die Baukunst ist auch eine Kunst. [..] Verglichen mit zeitgenössischer Musik oder Malerei hat Architektur ein viel größeres Potential, normale Leute abzuholen, weil etwas einfach sehr gut funktioniert, etwas praktisch ist und schön. (Peter Zumthor)
- Unser Alltag wird zu einem wesentlichen Teil durch die Architektur bestimmt, die uns Tag für Tag umgibt. [..] Die Architektur schafft den notwendigen baulichen Rahmen, in dem wir uns bewegen. Ohne Architektur wäre die menschliche Gesellschaft nicht denkbar. (Jürgen Tietz 1998 in: Geschichte der Architektur des 20. Jahrhunderts.)
Mehr Zitate zum Thema Architektur findet man [http://de.wikiquote.org/wiki/Architektur im Wikiquote unter dem Stichwort Architektur].
Es bleibt festzustellen, dass die Aufgabe und Verantwortung des Architekten auch ist, Haltungen und ein Wertesystem zu entwickeln (oder zu übernehmen) und sie als Maßstab zu nützen, um die von ihm angestrebten Qualitäten zu verwirklichen. - Dass die Bewertungen der jeweiligen Werke der Architekten meist kontrovers ausfallen, ist unvermeidlich, da es sich nicht nur um einen Wettbewerb von Talent und Kompetenz handelt, sondern auch um die Gültigkeit der individuellen Wertesysteme, die architektonische Qualität gewährleisten sollen. Allerdings bleibt durch die Varianz der Architekturauffassungen auch der Formenreichtum in der Architektur gegeben.
Geschichte
Die Geschichte der Architektur ist so alt wie die Menschheitsgeschichte und mit dieser als kulturelles Element eng verwoben. Einen Überblick der einzelnen Entwicklungsschritte findet man unter den Stichworten Architekturgeschichte beziehungsweise Baustil.
Bedeutung
Der moderne Mensch ist ununterbrochen von Gebäuden und Architektur umgeben. Sie kann Stimmung und Psyche positiv wie negativ beeinflussen. Auch auf die physische Gesundheit kann sie Einfluss haben. Architektur hat also für jeden Menschen eine sehr konkrete Bedeutung und bestimmt das alltägliche Leben viel stärker als Musik, Literatur oder Malerei. Die Qualität des Lebensumfeldes sollte der Gesellschaft daher ein wichtiges Anliegen sein.
Nur ein Teil aller Bauwerke und Gebäude ist von Architekten geplant. In wirtschaftlich wenig entwickelten Gebieten wird der überwiegende Teil in Eigenbauweise oder durch Handwerker ohne viel Planung errichtet. In den Industrienationen herrscht die standardisierte Produktion von Gebäuden vor. Architekten spielen im gesamten Bauwesen oft nur eine Nebenrolle und werden vor Allem bei komplexen Planungen oder repräsentativen Bauwerken hinzugezogen. Daraus resultiert auch die weit verbreitete Meinung, Architektur bezöge sich nur auf besondere Gebäude und sei vom "profanen" Bauen zu differenzieren. Die negativen Folgen dieser Abgrenzung zwischen Architektur und Bauen sind in allen modernen Städten sichtbar.
In Deutschland versucht die Initiative Architektur und Baukultur, das Bewusstsein für die hohe Bedeutung der Architektur zu stärken. In Deutschland ist die gute Architektur bisher nicht gesetzlich als Staatsziel oder Kulturgut anerkannt, während zum Beispiel Frankreich schon seit 1977 und Finnland seit 1998 eine dementsprechende Gesetzgebung haben.
Einflüsse
Architektur manifestiert sich immer in einem einzelnen Gebäude. Dessen Gestalt wird insbesondere beeinflusst durch klimatische, technische, topologische und wirtschaftliche Randparameter. Daneben haben aber auch rechtliche, religiöse und politische Gegebenheiten massiven Einfluss auf die Architektur. Vor allem die repräsentative Architektur ist daher der sichtbare Ausdruck einer Gesellschaftform. (Bsp.: Schloss Versailles als Ausdruck des Absolutismus). Die Architektur ist somit ein wesentlicher Teil der kulturellen Identität einer Gesellschaft.
Wichtige Themen
Bestimmte Themen beschäftigen die Architekten immer wieder, unabhängig von Stil und Epoche. Diese Themen sind bei jedem Entwurf, der ja immer ein Unikat ist, neu zu bedenken. Da Architektur die einzige praktische Kunst ist, die neben dem ästhetischen Wert auch einen Gebrauchswert hat, steht sie immer im Spannungsfeld von Kunst und Funktion.
Raum
Die Definition, Dimensionierung, Disposition, Fügung und formale Gestaltung von Räumen ist die wichtigste Aufgabe der Architektur. siehe dazu: Raum (Architektur)
Funktion
Das gute Funktionieren eines Gebäudes ist oberstes Ziel eines Entwurfes. Das betrifft sowohl die Funktionsabläufe als auch das technische Funktionieren der Gebäudehülle.
Doch reicht es nicht, den Begriff "Funktion" auf die technischen Ablaeufe zu reduzieren, vielmehr gehoeren auch aesthethische und nicht-technische Prozesse in den Bereich der "Funktionen", die ein Bauwerk zu erfuellen het.
Gestaltung
Die Gestalt des Gebäudes, also sein Grundriss, seine Form und Kubatur, das alles sind Aspekte, die sich nicht allein von der Funktion ableiten lassen. Ein Entwurf laesst sich nicht anhand aller Randparameter "generieren". Dazu kommt immer die Komponente der ästhetischen und formalen Gestaltung. Wie sollen die Fassaden aussehen? Welche Farben und Materialien werden verwendet. Das alles liegt im Ermessensspielraum der Gestalter (und damit sowohl des Architekten aber auch des Bauherren).
Beziehung zur Umgebung
Das idealisierte Leitbild der Architektur ist der Entwurf eines Bauwerkes, das mit der Umgebung in vielschichtiger Art und Weise in Verbindung steht. Die Beziehung wird zum Beispiel durch Formgebung, Farbgestaltung und Materialauswahl hergestellt.
Ideelle Bedeutung
Jedes Gebäude macht durch seine Gestalt eine Aussage zu seiner Funktion oder Bestimmung. Die Französische Nationalbibliothek zum Beispiel hat die Form von vier aufgeklappten Büchern und signalisiert somit ihre Funktion nach außen.
Im äußersten Fall erreicht der Architekt durch sein Werk eine Akzeptanz bei der Bevölkerung, das in diesem ein Symbol seiner Werte und Lebenseinstellung sieht. Beispiele sind der Eiffelturm in Paris (als Sinnbild für die Stadt) oder die Twintowers in New York, die als Symbol des Kapitalismus und der westlichen Kultur zerstört wurden.
Architektur in der Praxis
Neben der Architektur, die sich mit einzelnen Gebäuden beschaeftigt sind weitere Bereiche, die heute unter architektonischen Gesichtspunkten betrachtet werden Innenarchitektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur.
Fachgebiete
- Hochbau: Wohnungsbau, Gewerbebau, Sonderbauten wie Theater, Krankenhäuser und Schulen
- Landschaftsarchitektur
- Innenarchitektur
- Städtebau
- Messebau
Berührungspunkte
"Laien"
Das Thema Architektur wird in Deutschland nur selten in der breiten Öffentlichkeit diskutiert. Während andere Künste wie zum Beispiel Musik, Design und Mode für viele Menschen durchaus ein Gesprächsthema sind, wird die Debatte über zeitgenössische Architektur oft den Fachleuten überlassen.
Die Verantwortung für die gebaute Umwelt liegt aber nicht allein in der Verantwortung der Architekten. Ihr Einfluss wird oft überschätzt. Im Wesentlichen ist es der jeweilige Bauherr, der die Richtung vorgibt. Er wählt den Architekten, der natürlich seine eigenen Ideen und Standpunkte hat (denn sonst wäre er handlungsunfähig), aus und macht die Vorgaben.
Musik
Architekt
Musik und Architektur gehören seit langer Zeit zum menschlichen Kulturgut. In der griechischen und römischen Antike waren sie viel enger miteinander verknüpft als dies heute der Fall ist. Die Proportionslehre in der Architektur (vor allem der Renaissance) bezieht sich auf die Harmonielehre in der Musik.
Architekten, Musiker und Philosophen haben in den Jahrhunderten nicht nur immer wieder Verbindungen zwischen den beiden Künsten gesucht und auch geschaffen, sondern sich auch wechselseitig neue Impulse gegeben. Der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling sagte im Jahre 1859: Architektur ist erstarrte Musik. In ähnlicher Weise ist bei Arthur Schopenhauer zu lesen: Architektur ist gefrorene Musik.
Neben den Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten auf der geistigen Ebene gibt es auch pragmatische Berührungspunkte der beiden Künste. Musiker waren zu jeder Zeit abhängig von den Räumen, die ihnen zur Verfügung standen. Die Eigenschaften eines Aufführungsraumes sind wichtig für die klangliche "Gestalt" der Musik.
Beispiele für die starke Wechselbeziehung:
- Musik wird zu Architektur: An der Fassade des Palazzo Rucellai in Florenz hat Leon Battista Alberti Intervallverhältnisse zu einem kunstvollen Proportionsgefüge verknüpft. Steven Holl übertrug ein „Stretto“ von Béla Bartók in die Architektur.
- Architektur wird zu Musik: Guilleaume Dufay (1400-1474) komponierte seine Motette Nuper rosarum flores zur Einweihung des von Brunelleschi vollendeten Florentiner Domes.
- Musik im Einklang mit der Architektur: Der griechische Komponist und Architekt Iannis Xenakis entwarf für die Weltausstellung 1958 in Brüssel den Philips-Pavillon. Der Pavillon war die architektonische Umsetzung seines Orchesterwerkes Metastaseis.
- Architektur als Klangkörper für Musik: Der Architekt Renzo Piano und der Komponist Luigi Nono präsentierten gemeinsam mit dem Toningenieur Peter Haller das Projekt „Il Prometeo“. Dazu wurde in einer venezianischen Renaissance-Kirche ein hölzerner Klangkörper eingebaut, der Auditorium und Musikinstrument zugleich war.
Weblinks:
- [http://hausbreit.de/lekture/musik/musik.html Architektur und Musik - Harmonie und Proportion] - umfangreiche Darstellung der Bezüge.
- [http://mitglied.lycos.de/thomasaltrogge/referate/ref_musik_und_architektur.html Referat] - über Musik und Architektur mit Beispielen für verschiedene Bezugsarten.
Psychologie
Die Psychologie setzt sich mit der Architektur unter verschiedenen Aspekten auseinander:
- Die Künstlergruppe der Situationisten befasste sich in den 60er-Jahren mit diesem Forschungsgebiet (siehe "Psychogeographie").
- An der Uni Münster hat sich der Lehrstuhl von Prof. Dr. R. Bromme einige Zeit dem Thema Experten-Laienkommunikation in der Architektur gewidmet. Die Studien zeigen, dass Architekten und Laien eine völlig unterschiedliche Wahrnehmung von Architektur haben. Das beruht auf dem unterschiedlichen Wissenstand und der daraus resultierenden unterschiedlichen Sichtweise (siehe: [http://wwwpsy.uni-muenster.de/inst3/AEbromme/web/Service/Archtext.htm hier]).
- Erwähnenswert sind auch die [http://www.theo.tu-cottbus.de/Lehrstuhl/deu/Rambow.html Seminare von Dr. Riklef Rambow] an der BTU Cottbus.
- Dr. Rotraut Walden von der Universität Koblenz befasst sich in ihren Forschungsarbeiten mit der Entwicklung von Schemata und Erhebungsinstrumenten zur Beurteilung von Büros, Wohnungen, Schulen, Universitäten und Krankenhäusern.
- Ein zentrales Forum für Architekturpsychologie bildet die Seite http://www.architekturpsychologie.org.
Soziologie
Bei der Architektursoziologie geht es um die symbolische Interaktion zwischen den sozial handelnden Menschen mittels der Konstitution und Gestaltung von Räumen, z.B. von Städten, Landschaften (Parks), Häusern, Brücken, Denkmalen oder besonderen Bauteilen (Türmen, Türen u.a.) bis hin zur Innenarchitektur; also auch um den Beruf des Architekten, um Baupolitik, Bauwirtschaft und Wohnen gehen. Es gibt dabei verschiedene Aspekte, die im Artikel Architektursoziologie erklärt werden.
Weiterführende Informationen
Wikipedia
- Architekturgeschichte, Architekturstil, Architekturtheorie, Baukultur
- Architekt, Liste bekannter Architekten, Architekturstudium
- Portal:Architektur und Bauwesen
- Holzbaupreis
Literatur
- Hans Koepf/Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. 4. Auflage. Kröner Verlag, Stuttgart 2005 ISBN 352019404X
- Claus Paegelow: Internationales Architektenlexikon, Bremen, 2004 ISBN 3-00-012851-4 (E-Book auf CD-ROM)
Weblinks
- [http://www.nextroom.at nextroom - architektur im netz] umfangreiche Datenbank aktueller Architektur ab 1900
- [http://www.archinform.net archINFORM - Internationale Architekturdatenbank mit Informationen zu Bauten und Architekten]
- [http://www.baunetz.de/arch BauNetz - tagesaktuelle Architektur-Redaktion, Bauten, Wettbewerbe, Datenbanken...]
- [http://www.heise.de/tp/deutsch/special/arch/default.html Telepolis-Special Architektur]
Kategorie:Architektur und Bauwesen
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Altbausanierung, Architekturtheorie, Bauholz, Baukonstruktion, Baustelle, Bautechnik, Bemessungsfahrzeug, EnEV, Entwurf, Finlandia-Halle, Freitreppe, Gare du Nord (siehe Diskussion), Handwerk, Holzbau, Kameralbau, Raumprogramm, Haus Schröder, Laubengang, Neoklassizismus, Offener Grundriss, Ökologisches Bauen, Peristyl, Proportion, Saal (Architektur), Trocknung, Viktorianische Architektur, Gestüt, Initiative Architektur und Baukultur (siehe Diskussion)
kürzlich stark überarbeitete Artikel
Brücke, Fries (Architektur), Kapitell, Kirchenburg, Liste bekannter Architekten, Roter Turm (Halle), Säule, Treppe, Waschbecken
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EtymologieDie Etymologie (griechisch ετυμολογία, etymología, von altgriechisch έτυμος, étymos - wahrhaftig, wirklich, echt + λόγος, lógos - das Wort, die Lehre, die Kunde) ist ein Wissenschaftszweig, der die Herkunft der Wörter ergründen will, das heißt, wie sich ihre Bedeutung und Form entwickelt haben. Ursprünglich war man dabei auf der Suche nach der "wahren Bedeutung" der Wörter.
Woran forscht Etymologie?
In jedem Wort sind Lautgestalt, Bedeutung und Gebrauch untrennbar ineinander verflochten. Jeder dieser Bestandteile ist zeitlich und örtlich Änderungen ausgesetzt (von Generation zu Generation, von Ort zu Ort, von Person zu Person, in verschiedenen Lebensabschnitten). Daher muss sich die Suche nach dem "Etymon" eines Wortes auch mit dem Wandel befassen, dem es von Beginn an örtlich und zeitlich unterworfen war. Insofern sucht Etymologie nicht normativ "vorschreibend" ein verbindliches Soll („jetzt und immer einzig richtig“), sondern trägt deskriptiv "beschreibend" Spuren zusammen („dort und damals so gesprochen und so gemeint“).
Geschichte der Etymologie
Altertum
Die Etymologie (griechisch ετυμολογία (etymología), von altgriechisch έτυμος (étymos)) - Strömungen, die der "Richtigkeit" der "Namen" nachgingen. Allerdings bezeichneten sie diese Tätigkeit nicht mit dem Begriff Etymologie. So fragte sich bereits Heraklit von Ephesos (um 500 v.Chr.) inwiefern der Name eines Dinges die Wahrheit einer Sache wiedergebe. Also, inwiefern der Name in Wirklichkeit einem Gegenstand entspricht. Später beschäftigte sich Platon in seinem Dialog Kratylos eingehend mit der Richtigkeit der Namen.
Mittelalter
Den Höhepunkt dieser „wahrheitssuchenden Etymologie“ finden wir bei Isidor von Sevilla anfangs des 7. Jh. n.Chr., also im Frühmittelalter. In seinem Hauptwerk Etymologiae libri viginti gibt er zahlreiche Beispiele von Etymologien, die jedoch keinesfalls historisch begründbar sind. Isidor von Sevilla gab viele (historisch gesehen unzutreffende) Etymologien, um Dinge verständlich zu erklären. Zum Beispiel: „persona est Exegese, Physiologus, (der Tiernamen aus der Wortgestalt zu erklären sucht), oder die Legenda aurea, die vor der Vita eines Heiligen zunächst seinem Namen breite Aufmerksamkeit widmet.
Gegenwart
Heutzutage ist Etymologie innerhalb der historisch vergleichenden Sprachwissenschaft die Disziplin, welche Entstehung und geschichtliche Veränderung einzelner Wörter aufspürt und in etymologischen Wörterbüchern festhält. Historische Linguistik sucht nach wiederkehrenden Erscheinungen des Sprachwandels und leitet aus ihnen Lautgesetze ab, die es ihrerseits erleichtern, Veränderungen eines Wortes im Verlaufe der Geschichte zu beobachten.
Zusätzlich zur rein linguistischen Beschäftigung mit Etymologie bringt die sprachgeschichtliche Forschung außerdem Nutzen für das genauere Verständnis historischer Texte. Ein weiteres Anwendungsgebiet besteht in der Übertragung der Ergebnisse auf die Archäologie. Hier können sprachgeschichtliche Verhältnisse Anhaltspunkte für verschiedene archäologische Fragestellungen liefern, so etwa im Fall der Rekonstruktion von frühzeitlichen Wanderungsbewegungen.
Etymologie in Wissenschaft und Gesellschaft
Im Rahmen der Sprachwissenschaft ist die Beschäftigung mit Etymologie in allererster Linie Selbstzweck, das heißt, es ist für sich genommen interessant genug, mehr über die konkreten geschichtlichen Veränderungen einer Sprache herauszufinden, um so ein erweitertes Verständnis einer Einzelsprache sowie der Umstände des Sprachwandels im Allgemeinen zu erhalten. Praktische Anwendungen wie oben erwähnt stehen zumeist im Hintergrund. In der alltäglichen, nicht-wissenschaftlichen Beschäftigung mit Etymologie hat sich hingegen der normative Charakter der frühen Etymologie mehr oder weniger ausgeprägt erhalten. So wird etwa anhand der Geschichte eines Wortes demonstriert, dass eine bestimmte, moderne Verwendungsweise falsch ist, da sie nicht der historischen entspricht, bzw. sich nicht an der in der Wortgeschichte offenbar werdenden eigentlichen Wortbedeutung orientiert. Vertreter einer abgeschwächten Variante dieses Arguments lehnen die moderne Wortbedeutung nicht grundsätzlich ab, erhoffen sich jedoch aus der Beschäftigung mit der Entwicklungsgeschichte eines Wortes neue Aspekte für ein Verständnis seiner Bedeutung. Hier wird davon ausgegangen, dass diese weiteren Aspekte im Laufe der Zeit gleichsam verschüttet worden sind und durch sprachgeschichtliche Untersuchungen wieder zum Vorschein kommen.
Unabhängig von der Frage, ob die jeweils angeführte wortgeschichtliche Herleitung inhaltlich korrekt ist oder nicht, geraten Vertreter beider Auffassungen dann in Widerspruch zu modernen sprachwissenschaftlichen Grundannahmen, wenn sie argumentieren, dass ein bestimmtes gedankliches Konzept abhängig ist von dem Wort, mit dem es ausgedrückt wird. Dem würde die Sprachwissenschaft tendenziell entgegensetzen, dass eine konkrete Wortform ihre Bedeutung ausschließlich per Konvention erhält. Für sich genommen hat ein Wort somit keine ihm eingeschriebene „eigentliche“ Bedeutung, die man in irgendeiner Form herausfinden könnte und an der sich konsequenterweise alle orientieren müssen. Unter dieser Annahme können die von den „normativen“ Etymologen vorgebrachten Interpretationen der Wortbedeutung nicht mehr Gültigkeit für sich beanspruchen als jede alternativ vorgeschlagene Neuinterpretation auch.
Etymologische Erklärungen werden darüber hinaus auch häufig zur Untermauerung nationalistischer Ideologien herangezogen. Es wird dabei beispielsweise die vermeintliche Überlegenheit der eigenen Kultur anhand ihrer Wirkung auf das Lexikon einer anderen Sprache „bewiesen“, oder es werden erwünschte verwandtschaftliche Beziehungen zweier Kulturen aus einer vermuteten Sprachverwandtschaft rekonstruiert.
Beispiele
Ein erstaunliches Beispiel aus der etymologischen Forschung ist die Herkunft des Wortes „Ampel“: Die Ampel ist indirekt aus dem griechischen Wort aμφορεύς „zweihenkliger Krug“ entstanden: Dieses fand als ampulla Eingang ins Lateinische und wurde von dort ins Althochdeutsche entlehnt (siehe Lehnwort). Aus ampulla wurde durch Lautänderungen im Laufe der Zeit „Ampel“. Die Ampel war also ein Gefäß wie die Amphore. Sie war im Mittelalter mit Öl gefüllt und diente als ewiges Licht in Kirchen. Später wurden hängende Deckenbeleuchtungen in Wohnungen als Ampel bezeichnet. Heute ist die Ampel als Leuchtsignal im Straßenverkehr bekannt. Noch in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts war eine Verkehrsampel ein über einer Kreuzung hängendes Gebilde mit vier uhrähnlichen Seiten, auf denen ein weißer Zeiger in konstant langsamer Bewegung rote (Halt!) und grüne (Fahren!) Felder überstrich; diese waren von innen beleuchtet. Hier wird der Bedeutungskern „hängende Beleuchtung“ noch deutlich! Das Wort hat eine Bedeutungsverschiebung und Bedeutungsverengung erfahren.
Der Begriff der „Ampel“ wird aber auch synonym für andere hängende Gefäße verwendet, etwa zum Aufhängen von Pflanzen (Blumenampel).
Volksetymologie
"Volksetymologie ist abgekürzte, weil sprungweis vorgehende Wortgeschichte" (Jost Trier). Sie ist geleitet von dem Bedürfnis, die Zusammenhänge der Wörter zu erklären und geht dabei zuweilen den unwissenschaftlichen Weg, fremde Wörter dem Volksmund aussprachegerecht zu servieren. Beispiel: arcuballista ‚Bogenschleuder’ wurde im Altfranzösischen zu arbaleste, aus dem das Deutsche die Armbrust entlehnte, wobei der Bestandteil „Brust“ von mhd. berost ‚Aufrüstung’ herrührt. Es handelt sich also tatsachengemäß um eine Armwaffe.
Auch inhaltliche Umdeutungen sind möglich. „Intakt“ bedeutet eigentlich ‚unberührt’ (lat. puella intacta). Heutzutage gilt jedoch auch eine Maschine, die einwandfrei funktioniert als intakt im Sinne von 'im richtigen Takt arbeitend'.
Ein weiteres markantes Beispiel für Volksetymologie ist das Wort „Hängematte“, das keineswegs von „hängender Matte“ abgeleitet ist, sondern von dem Indianerwort „hamaka“ (vgl. daher engl. hammock).
Weitere Beispiele: „Maulwurf“, „Vielfraß“, „Tollpatsch“
Bei „Tollpatsch“ wurde wegen der volksetymologischen Umdeutung, es stamme von „toll“ und „patschen“, während der Rechtschreibreform von 1996 sogar die Rechtschreibung geändert. Dabei stammt es vom ungarischen Wort „talpas“ (Spitzname für den ungarischen Fußsoldaten).
Verwandte Gebiete
Die Semasiologie ist innerhalb der Semiotik die Lehre von den Wortbedeutungen. Die Namenforschung (Onomastik) geht speziell auf die Geschichte, Bedeutung und Verbreitung von Namen ein, und die Toponomastik beschäftigt sich speziell mit Ortsnamen.
Siehe auch
- Fremdwort, Volksetymologie, Griechisch, Latein, Liste griechischer Präfixe, Liste griechischer Suffixe, Liste lateinischer Präfixe, Liste lateinischer Suffixe, Etymologische Liste der Ländernamen, Etymologische Liste der Währungsnamen, Georg Büchmann
Literatur
- Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritischen Wörterbuch der hochdeutschen Mundart. Leipzig 1774-86; 2. Aufl. 1793-1802 ([http://www.ub.uni-bielefeld.de/diglib/adelung/grammati/ Digitale Rekonstruktion der Ausgabe von 1808])
- Der Duden. Band 7. Herkunftswörterbuch - Etymologie der deutschen Sprache. Bibl. Institut, Mannheim, ISBN 3411209070
- Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch
- Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 1. Auflage: Trübner, Straßburg 1883 (24. Auflage bearbeitet von Elmar Seebold: de Gruyter, Berlin 2002)
- Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen
- Georg Stucke: Kleines etymologisches Wörterbuch
- Ernst Wasserzieher: Woher?
Weblinks
- Online-Etymologie http://www.etymonline.com/ (engl.)
- [http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbuecher/dwb Das Wörterbuch-Netz] - unter anderem mit dem deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm
- http://www.wortherkunft.de/ (ungenau)
- http://www.linse.uni-essen.de/kuntermund_loewenmaul/etymologie_html/etymologie.htm
- [http://nextz.de/glossen/woerter.html Schröder: Wörter unter der Lupe]
!
Kategorie:Historische Linguistik
ja:語源
zh-min-nan:Gí-goân-ha̍k
Zimmermann
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Ein Zimmermann, heute Zimmerer, ist ein Holz-Handwerker. Ein Zimmerer fertigt unter anderem die folgenden Produkte:
- Dachstuhl
- Holzständerhaus
- Fachwerkhaus
- Carport
- Tür, Tor
Treppenbau, Gauben, Erker, Vordächer, Holzrahmenbau, Trockenbau (Innenausbau), Dachdeckei, Dachfenster,
In frühen Zeiten war wohl jeder Hausbesitzer auch ein Zimmermann, da er sich sein Haus meist selbst zimmern musste. Als sich später die Berufe mehr und mehr spezialisierten, wurde auch der Zimmererberuf eigenständig.
Durch die Herausbildung von Gilden und der Geheimhaltung besonders wichtiger und interessanter Arbeitstechniken (Dachausmittlung, Schiftung oder Vergatterung) im Mittelalter wurde der Zimmermann, vor allem in der Stadt, unentbehrlich.
Schiftung
Vor allem Prestigebauten, wie Rathäuser oder Zunfthäuser mit ihren aufwändigen Dachformen, konnten von keinem Laien mehr ohne weiteres gebaut werden. Ein erfahrener Zimmermeister wurde verpflichtet. Dieser hütete seine Kunst und gab sie nur an einen auserwählten Zunftkollegen, meist auch ein Meisterssohn, weiter. Selbst gegenüber seinen Gesellen blieb er vorsichtig. Wichtige Arbeiten wie das Aufschnüren des Daches auf dem Reißboden übernahm er daher selbst.
Eine Blütezeit des Zimmererhandwerkes war sicherlich das Mittelalter mit seinen gewagten großen städtischen Fachwerkbauten.
Beispiele sind vor Allem: das Knochenhaueramtshaus in Hildesheim, das Rathaus in Wernigerode sowie die gesamte Altstadt (Weltkulturerbe).
Einen absoluten Höhepunkt der Dachkonstruktion erreichten die französischen Zimmermeister, die maître de charpentier, etwa um 1900 mit ihren geschwungenen und ineinander übergehenden, verdrehten und gewölbten Dachflächen. Diese Kunst beherrscht heute kaum noch jemand. Wunderschöne Beispiele der dörflichen Zimmerkunst kann man im Freilichtmuseum Detmold betrachten. Auch der Dorfzimmermann verstand es, dem nüchternen und funktionalen Haus einen eigenen Charakter zu geben. Selbst an der ärmlichsten Bauernkate wurden Schmuck und Zierrat nicht vergessen.
Heutzutage hat sich das Bild des Zimmermannes weiterentwickelt. Er arbeitet nicht mehr nur mit Holz, sondern kennt sich auch mit vielen anderen Materialien aus und weiß sie kunstvoll zu verbauen. Zu den traditionellen Zimmermannsarbeiten wie Dachstuhlbau, Holz-Treppenbau sowie dem Innenausbau sind neue Tätigkeitsfelder wie der Ingenieurholzbau und der Holzrahmenbau hinzugekommen. Ein Teil des Einsatzgebietes des Zimmerers ist auch die Herstellung von Schalungen für Betonbauteile sowohl aus Holz wie auch mittels Fertigschalungen, Zimmerer sind daher (oft auch in Führungsfunktionen, wie als Poliere) auch an Bauwerken in Stahlbetonbauweise beteiligt.
Ausbildung
Der Zimmerer absolviert eine dreijährige Lehreund kann danach selbstständig nach einem Plan z. B. einen Dachstuhl abbinden.
Weiterbildungsmöglichkeiten bestehen zum Zimmerervorarbeiter, Zimmerpolier, Zimmermeister und Restaurator im Zimmerhandwerk. Dem Zimmerer- und Holzbaubereich zuordenbare Studienzweige sind Holzbau, Architektur und Bauingenieurwesen.
Restaurator im Zimmerhandwerk
Die Zimmerleute sind im heutigen Bauhandwerk eine der wenigen Berufsgruppen, die noch sehr viel Wert auf ihre Traditionen legen. Siehst du auf der Straße einen mit schwarzer Cordkluft, Manchesterjacket und Weste bekleideten jungen Mann unterwegs mit Schlapphut, Stenz und Bündel, ist das einer der Wanderburschen, von denen nur noch einige Hundert pro Jahr in Europa und Übersee unterwegs sind. Früher waren die Straßen voll von Ihnen. Heute pflegen vor allem die Schächte dieses alte Brauchtum. Sprich den Kunden an, spendier ihm ein Bier und lass dir von seinen Erlebnissen auf der Walz erzählen.
Fachliteratur zum Thema erscheint unter anderem im Bruderverlag.
Weitere Fachliteratur gibt es auch bei der [http://www.fg-holzbau.de/ Fördergesellschaft Holzbau und Ausbau] und im Büchershop von [http://www.zimmererforum.de/books.html zimmererforum.de].
Siehe auch
- Liste von Berufen
- Fachbegriffe der Zimmerei
Weblinks
- [http://www.zimmerer-bayern.com Verbände des Bayerischen Zimmerer- und Holzbaugewerbes]
- [http://www.zimmererforum.de zimmererforum.de]
- [http://www.bdz-holzbau.de Bund Deutscher Zimmermeister]
- [http://holzbau.startblatt.at Links zu Zimmermeistern und rund um Holz]
Kategorie:Handwerksberuf
Kategorie:Beruf
Zimmermann werden in der Schweiz auch langbeinige Spinnen genannt.
ja:大工
BaumeisterDer Baumeister übernimmt die Planung und Leitung, teils auch die Ausführung von Bauarbeiten aller Art.
Überblick
Baumeister ist die Bezeichnung für einen Beruf, der in dieser Form heute nicht mehr existiert. Bis in das 20. Jahrhundert hinein bezeichnete man so diejenigen Personen, die bei Bauvorhaben sowohl die künstlerische als auch die technische und administrative Projektleitung hatten.
Bis in das 19. Jahrhundert waren die Fähigkeiten des Baumeisters für die Errichtung von Bauten ausreichend. Durch die zunehmende Komplexität des Bauwesens und die immer größer werdenden Ansprüche hinsichtlich Statik und Architektur entwickelten sich daneben die akademischen Berufe des Architekten und Bauingenieurs. Das Aufgabengebiet eines Baumeisters umfasste die heutigen Berufsfelder des Architekten, des Bauingenieurs als auch die eines Projektmanagers.
Hofbaumeister
Ein Hofbaumeister ist ein an den Sitz eines regierenden Fürsten oder Herrschers (Hof) berufener, also ein von einem Landesherren mit der Planung und Durchführung öffentlicher Bauvorhaben betrauter Baumeister.
Bedeutende Träger dieses Titels und die hauptsächlichen Stätten ihres Schaffens waren:
- Henrico Zuccalli (München, 1642 - 1724)
- Antonio Giovanni Viscardi (München, 1645 - 1713)
- Eosander von Göthe (Berlin, 1669 - 1728)
- Philipp Gerlach (1679 - 1748), Hofbaumeister des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I.
- Johann Michael Ludwig Rohrer (Rastatt, 1683 - 1732)
- François de Cuvilliés (München, 1695 - 1768)
- Franz Ignaz Krohmer (Baden-Baden, 1714 - 1789)
- Philippe de La Guêpière (Stuttgart, 1725 - 1773)
- Leopoldo Retty (Ansbach, 18. Jahrhundert)
- Georg Greggenhofer (Eutin, † 1779)
- Karl Friedrich Schinkel (Berlin, 1781 - 1841)
- Franz Karl Leo von Klenze (Kassel, 1784 - 1864)
- Friedrich Weinbrenner (Karlsruhe, 1766 - 1826)
- Georg Adolph Demmler (Schwerin, 1804 - 1886)
- Paul Fröhlich, (Dresden)
Der Begriff Baumeister heute in Deutschland
In der Bundesrepublik ist der Begriff des Baumeisters inzwischen nicht mehr klar definiert und auch keine Berufsbezeichnung mehr. Er wird höchstens noch benutzt, um einen übergreifenden Begriff für Architekten und Bauingenieure zu haben (vgl. den Berufsverband BDB = Bund deutscher Baumeister).
Außerdem erhalten in Baden-Württemberg und Bayern Bau-Referendare (d.h. Beamtenanwärter im höheren bautechnischen Verwaltungsdienst) nach dem erfolgreichen Ablegen der Großen Staatsprüfung (= 2.Staatsexamen) den Titel "Regierungsbaumeister" verliehen.
Der Begriff Baumeister heute in Österreich und der Schweiz
In Österreich und der Schweiz handelt es sich bei dem Begriff Baumeister immer noch um eine konkrete Berufbezeichnung. Während Architekten und Bauingenieure nur im planenden und kontrollierenden Bereich tätig sein dürfen, stellt der Baumeister den einzigen universell einsetzbaren Baufachmann dar.
Der Baumeister ist berechtigt:
- die unterschiedlichsten Bauwerke zu planen,
- das statische Gefüge zu berechnen,
- Kosten zu ermitteln,
- Bauarbeiten auszuführen, zu leiten und zu kontrollieren.
Er ist weiters zur Projektentwicklung, -leitung und Projektsteuerung, zum Projektmanagement sowie zur Übernahme der Bauführung und im Rahmen seiner Gewerbeberechtigung zur Vertretung seines Auftraggebers vor Behörden und Körperschaften öffentlichen Rechts berechtigt.
Berühmte Baumeister
- Peter Parler (1330-1399)
- Michael Knab (um 1340/50-nach 1399)
- Matthäus Böblinger (1450-1505)
- Albrecht Altdorfer (um 1480-1538)
- Baldassare Peruzzi (1481-1536)
- Heinrich Tussmann (16. Jahrhundert)
- Nikolaus Gromann (um 1500-1566)
- Wolf Blechschmidt (um 1510-1577)
- Bartolomeo Ammanati (1511-1592)
- Heinrich Schickhardt (1558-1635)
- Pietro da Cortona (1596-1669)
- Die Baumeister-Familie Gumpp (ab 1600)
- Johann Gregor Memhardt (1607-1678)
- Pietro Francesco Carlone (um 1610-1681 oder 1682)
- Louis Le Vau (1612-1670)
- Jacques François Blondel (1618-1686)
- Antonio della Porta (um 1631-1702)
- Johann Dientzenhofer (1663-1726)
- Johann Lucas von Hildebrandt (1668-1745)
- Johann Eosander von Göthe (1669-1728)
- Peter Thumb (1681-1766)
- Dominikus Zimmermann (1685-1766)
- Balthasar Neumann (1687-1753)
- Francois de Cuvillies der Ältere (1695-1786)
- Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699-1753)
- Johann Boumann (1706-1766)
- Francois de Cuvillies der Jüngere (1731-1777)
- Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) - ab hier spricht man zunehmend nicht mehr von Baumeistern, sondern von Architekten
- August Soller (1805-1853)
- Paul Abadie der Jüngere (1812-1884)
- Ernst von Ihne (1848-1917)
Personen mit dem Namen Baumeister
- Bernhard Baumeister (28. September 1828 - 25. Oktober 1917), Schauspieler
- Brigitte Baumeister ( - 19. Oktober 1946), Politikerin, CDU
- Johann Sebald Baumeister (1775 - 1829), Miniaturmaler und Zeichner
- Marie Baumeister ( - 1. Februar 1820 †), Schauspielerin
- Muriel Baumeister ( - 24. Januar 1972), Schauspielerin
- Wilhelm Baumeister (17. November 1815 - 6. April 1875), preußischer Offizier und Schauspieler
- Willi Baumeister ( 22. Januar 1889 - 31. August 1955), Maler und Typograph
Siehe auch
- Portal:Architektur und Bauwesen
Kategorie:Architektur und Bauwesen
Kategorie:Beruf
TechnikUnter Technik (altgriechisch τεχνη [téchne], „Fähigkeit, Kunstfertigkeit, Handwerk“) versteht man Verfahren und Fähigkeiten zur praktischen Anwendung der Naturwissenschaften und zur Produktion industrieller, handwerklicher oder künstlerischer Erzeugnisse, wobei der griechische Begriff zwischen den heutigen Kategorien Kunst und Technik nicht unterschied (siehe Martin Heidegger: Die Frage nach der Technik).
Technik kann als die Fähigkeit des Menschen verstanden werden, Naturgesetze, Kräfte und Rohstoffe zur Sicherung seiner Existenzgrundlage sinnvoll einzusetzen oder umzuwandeln. Neben den materiellen Bedürfnissen (Nahrung, Kleidung, Wohnen) werden auch kulturelle Bedürfnisse durch die Technik gesichert.
Technische Fertigkeiten werden in Handwerk und Industrie auf den verschiedensten Ebenen von den Lehrberufen bis zu den Ingenieurwissenschaften benötigt. Letztere sichern den Erhalt bekannter und die Entwicklung neuer Techniken, sind aber mit Technik nicht gleichzusetzen.
Bedeutungsvarianten
Das Fremdwörterbuch des Duden definiert die Technik in fünf Aspekten:
# Alle Verfahren, Einrichtungen und Maßnahmen, die der praktischen Nutzung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse dienen - insbesondere in Fachgebieten wie Elektrotechnik, Bauingenieurwesen, Maschinenbau und Informationstechnik.
# Ausgebildete Fähigkeit oder Kunstfertigkeit, die zur richtigen Ausübung einer Sache notwendig ist
# Die Gesamtheit der Verfahren und Kunstgriffe, die auf einem bestimmten Fachgebiet üblich sind („Stand der Technik“)
# Technische Hochschule bzw.-Universität, TU (süddt./österr.)
# Industrielle und andere Herstellungs- und Produktionsverfahren.
Technik als Anwendung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse
Technik besteht in der Anwendung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und den daraus resultierenden Verfahren in verschiedenen Fachgebieten:
- Elektrotechnik
- Computertechnik
- Tontechnik und Mediendesign
- Maschinenbau
- Verkehrstechnik und Fahrzeugbau
- Luftfahrt und Raumfahrt
- Bauingenieurwesen
- Bergbau und Metallurgie
- Technische Physik
- Technische Chemie
- Technische Mathematik
- Medizintechnik
- Gentechnik
- Geowissenschaften
- Informationstechnik
- Nachrichtentechnik
- Verfahrenstechnik
- Wehrtechnik
- Agrartechnik
Entwicklungs- und Forschungseinrichtungen dieser Fächer erarbeiten an Hochschulen, in der Industrie und anderen Forschungsstätten zusammen mit Betrieben und Einzelpersonen auch die Grundlagen von Produktionsverfahren und den aktuellen „Stand der Technik“ (Aspekt 3).
Technik als menschliche Handlungsfertigkeit
bedeutet im Sinn der Aspekte 2 und 5 sinnvolle, zielgerichtete und wiederholbare Vorgehensweisen des menschlichen Handelns, die in sämtlichen Bereichen menschlicher Aktivitäten anzutreffen sind. Beispiele:
- im Sport (Technik des Stabhochsprungs, des Diskuswurfs, des Delphin-Schwimmstils etc.),
- in der Kunst (Technik der Aquarellmalerei, des Trompetenblasens etc.),
- Alltagsaktivitäten (Technik des Fensterputzens etc.)
Neben der Befriedigung materieller Bedürfnisse (Nahrung, Kleidung, Wohnen) werden auch kulturelle Bedürfnisse durch Anwendung von Techniken gedeckt. Auch der Einsatz naturwissenschaftlich unwirksamer Fertigkeiten - "magischer Techniken" nach Gehlen - wird hier gelegentlich einbezogen (z.B. als Götterzwang durch Opfer, Gebetsformeln, Tänze).
Technik als Kürzel für Hochschulen
folgt einem langjährigen Sprachgebrauch. Auch wenn dieser nicht ganz korrekt ist, entspricht die Gliederung technischer Hochschulen und -Universitäten (THs, TUs) in Abteilungen oder Fakultäten doch den obigen Aspekten. Außerdem tragen sie wesentlich zum „Stand der Technik“ bei.
Umgangssprachliche Verwendung und Abgrenzung des Begriffs zur Technologie
Der Begriff Technik wird oft verallgemeinernd – oft auch abwertend – für die Gesamtheit aller industriell hergestellten mechanischen Objekte in unserer Umwelt verwendet.
Des Weiteren wird Technik oft mit Technologie (die Gesamtheit aller verfügbaren und industriell nutzbaren Techniken, samt ihrer (ingenieur)wissenschaftlichen theoretischen Grundlagen) gleichgesetzt. Dies ist aber inhaltlich irreführend, denn schlicht gesagt ist Technik die Anwendung oder Umsetzung einer Technologie, während eine Technologie also das Wissen über technische Zusammenhänge - als wörtliche "Übersetzung" des englischen Worts "technology" - sein soll.
Das Attribut „technisch“
bezeichnet verschiedene Aspekte im Alltag, in der Industrie und Technik bzw. in den Naturwissenschaften, die über o.e. Aspekte hinausgehen:
- "technisch" als nähere Beschreibung von Fachbereichen oder Fachgruppen - beispielsweise Technische Chemie, technische Geologie, Gewerkschaft der technischen Berufe
- "technisch" im Denken - meist gleichbedeutend mit systematischem oder ausgeprägt logischem Denken - oder
- als Vorgehensweise - im Gegensatz z.B. zu intuitiv - meist unter Ausschluss emotionaler Aspekte
- "technisch" als Ablauf - z.B. bei einer Veranstaltung, bei Produktionsmethoden, oder bei Störungen durch „technische Pannen“.
Siehe auch:
- Portal:Technik
- anerkannte Regeln der Technik
- Forschung & Entwicklung (FuE, auch Research and Development (R&D)
- Ingenieurwissenschaften
- Konstruktion
- Norm
- Qualität
- Technikphilosophie
- Technikgeschichte
- Techniksoziologie
- Technikethik
- Medientheorie
- Stand der Technik
- Technischer Fortschritt, Automatisierung
- Technizismus
- Techniker
- Technische Chemie
- Technische Mathematik
- Technische Physik
- Technische Universität
- Technischer Zeichner
- Technologie
- Technokrat
- Werkzeug
- Ziviltechniker
- Technik (Schulfach)
- Artes mechanicae
Literatur
- Seiffert, Helmut; Radnitzky, Gerard (Hrsg.) (1992): Handlexikon zur Wissenschaftstheorie. 2. unv. Aufl. (Orig. 1989), Berlin: dtv, ISBN 3-423-04586-8, S. 358-365 (Stichworte Technik und Technologie; und deren Abgrenzung zu anderen Wissenschaften).
Kategorie:Technik
Kategorie:Techniktheorie
TektonikTektonik bedeutet - entsprechend der griechischen Wortwurzel - den Aufbau von zusammengesetzten Strukturen. Das Wort wird insbesondere für die Gliederung der Erdkruste verwendet, aber auch für Gebäude und in der Dichtkunst.
Geowissenschaften
In den Geowissenschaften bezeichnet Tektonik den Aufbau der äußeren Schicht des Erdkörpers in seiner Struktur und großräumigen Bewegung. Weiteres dazu findet sich unter Plattentektonik; siehe auch Vulkanismus.
In der Geologie bezeichnet tektonisch meist regionale Bewegungsvorgänge in der Erdkruste, die zu langsamen Verschiebungen, Verbiegungen, Faltungen oder gar Brüchen von Gesteinsschichten oder größeren Einheiten führen - zum Beispiel:
- tektonische Störung (flächenförmige tektonische Schwächezone, oft mit verstärkter Erosion oder Bebentendenz),
- Bruchtektonik (Aufbrechen bzw. gegenseitige Verschiebung von Gesteinsschichten, oder Einsenkung von Sedimentbecken)
- tektonische Erdbeben (seismische Aktivität durch Lösen von Spannungen im Untergrund).
Die Erdbeben entstehen durch rasche Bewegungen und Reibung zwischen Gesteinspaketen, während die anderen genannten Beispiele wesentlich kleinere Bewegungsraten im Bereich von Zentimetern pro Jahr aufweisen. Hingegen lassen sich Gesteine langsam zu Falten verbiegen (ohne zu brechen), wenn die Verschiebungen nur einige mm/Jahr betragen und das Gestein ausreichend duktil ist. Produkte tektonischer Prozesse sind daher oft metamorphe Gesteine (Regionalmetamorphose) und deren Merkmale wie eine Schieferung oder Klüftung.
Allgemeiner bedeutet tektonisch in den Geowissenschaften:
- den Aufbau der Erdkruste betreffend, sowie
- die äußeren Schichten des Erdkörpers (Kruste und Teil des Erdmantels = Lithosphäre) in ihrer Struktur und großräumigen Bewegung - siehe auch Plattentektonik.
Noch allgemeiner heißt tektonisch: klar aufgebaut, wie in der Baukunst gefügt.
Kategorie:Geologie
Architektur
Im technischen Sinn befasst sich die Tektonik mit dem Zusammensetzen der Bauteile zu einem Gefüge, bzw. mit der Körperlichkeit in der Architektur. Der nächste Schritt zu einer Verallgemeinerung der Raumauffassung ist das Aufheben von Vertikalen und Horizontalen.
Archivwesen
Im Archivwesen ist die Tektonik ein wesentliches Gliederungsmerkmal zur Strukturierung der Bestände von Archiven, um dem Benutzer einen systematischen Zugang dazu zu ermöglichen. Die typische hierarchische Ordnung eines Archivs folgt dem Schema Archiv-Tektonik(stufen)-Bestand. Diese Informationen finden sich häufig gedruckt oder online in sogenannten Beständeübersichten oder Kurzübersichten dargestellt. Vgl. auch "Klassifikation".
Bildende Kunst
In der Bildenden Kunst ist der Begriff Tektonik in der russischen Avantgarde und im Konstruktivismus als Begriff für die Verbindung von Architektur und Malerei anzutreffen.
Dichtung
In der Dichtkunst spricht man von Tektonik bei einem strengen, dramatischen Aufbau einer Dichtung.
Siehe auch
- Geophysik, Gebirge, Gebirgsbildung
- Bauwesen, Struktur, Statik
Qualität
Qualität (lat.: "qualitas"=Beschaffenheit, Eigenschaft) ist ein Terminus für Beschaffenheiten oder Eigenschaften von Stoffen, Objekten oder Vorgängen, welche nicht durch numerische Werte ausgedrückt werden. Beispiele: weiblich, gelb, rau, warm, schnell, unangemessen, elegant, fest, ungiftig.
Sprachgebrauch
Qualität wird häufig als Gegenpol zum Begriff Quantität benutzt. Jedoch gilt: Jede quantitative (mengenmäßige) Eigenschaft beinhaltet auch eine qualitative. Quantität bezeichnet die zählbaren Daten, Zahlen und Fakten.
Im allgemeinen Sprachgebrauch ist von guter oder schlechter Qualität die Rede. In dieser Hinsicht ist Qualität ein mit Wertungen verbundener Begriff, der die Zweckangemessenheit des Ergebnisses eines Produkts oder einer Dienstleistung zum Ausdruck bringt. Kauft ein Kunde ein Produkt oder eine Dienstleistung und erfüllen diese ihre Zwecke für den Kunden so haben Produkt oder Dienstleistung im allgemeinen Sprachgebrauch eine gute Qualität. Ein weiteres Beispiel ist Qualitätsarbeit. Sie findet häufig in einem bereichsübergreifenden, die Qualität der einzelnen Ergebnisse sicherndem System statt. Die Planung, Steuerung und Kontrolle aller hierzu nötigen Tätigkeiten wird als Qualitätsmanagement oder Total Quality Management bezeichnet. Als Ergebnis entsteht das so bezeichnete Qualitätsprodukt.
Wo sich Qualität mit quantitativen Größen messen lässt, wird sie häufig als technische Qualität bezeichnet. Das betrifft beispielsweise Eigenschaften wie Bruchfestigkeit, Belastbarkeit, Langlebigkeit, Farbechtheit usw. Als eine der einfachsten Definitionen für Qualität gilt hier die Regel: Qualität ist die Übereinstimmung von Ist und Soll, also die Erfüllung von Erfordernissen und Erwartungen. In der Produktion werden hierbei heute Kennzahlen zur Qualität über rechnergestützte Systeme bestimmt. Diese Systeme zur Qualitätssicherung werden CAQ-Systeme (CAQ von engl. Computer Aided Quality assurance) genannt.
Qualität ist der Grad, in dem ein Satz inhärenter Merkmale Anforderungen erfüllt.
Qualitätsansätze nach Garvin
- transzendentes Qualitätsverständnis: das Gute, Schöne, Richtige
- produktbezogenes Qualitätsverständnis: z.B. 20 Jahre alter Wein ist besser als 10 Jahre alter Wein
- kundenbezogenes Qualitätsverständnis: Fähigkeit einer Leistung, die Bedürfnisse des Kunden zu erfüllen
- wertorientiertes Qualitätsverständnis: Günstige Kosten-/ Nutzen-Proportion
- fertigungsbezogenes Qualitätsverständnis: Erfüllung von Normen, 'a priori' Qualität
Siehe auch
- Qualitätssicherungsnormen
- Datenqualität (GIS)
Literatur
- Gerd F. Kamiske, Jörg-Peter Brauer: Qualitätsmanagement von A bis Z. Erläuterungen moderner Begriffe des Qualitätsmanagements. 5. Auflage. Carl Hanser, München 2005, ISBN 3-446-40284-5
- Tilo Pfeifer: Praxisbuch Qualitätsmanagement. Aufgaben, Lösungswege, Ergebnisse. 2. Auflage. Hanser, München 2001, ISBN 3-446-21508-5
- Hans-Dieter Zollondz: Grundlagen Qualitätsmanagement. Einführung in Geschichte, Begriffe, Systeme und Konzepte. Oldenbourg Verlag, München 2002, ISBN 3-486-25950-4
Weblinks
- [http://www.dgq.de Deutsche Gesellschaft für Qualität e.V.]
- [http://www.efqm.org European Foundation for Quality Management]
- [http://www.quality.de/ Datenbank zum deutschsprachigen Qualitätswesen]
- [http://www.qmb.info Qualität.net]
Kategorie:Produktionstechnik
Kategorie:Qualitätsmanagement
BauenDer Begriff Bauen steht sowohl für:
- die Tätigkeit des Bauens. Siehe Bauwesen
- eine Gemeinde im Kanton Uri, Schweiz: Siehe Bauen UR
Baukunst
Einen umfassenden Einstieg in die Thematik der Architektur und des Bauens bietet auch das Portal:Architektur und Bauwesen.
Begriff
Das Wort Architektur ist zusammengesetzt aus den griech. Wörtern αρχη [arché] (= Anfang, Ursprung, Grundlage, das Erste) und τεχνη [techné] = Kunst, Handwerk. Es ließe sich daher wörtlich mit „Erstes Handwerk“ oder „Erste Kunst“ übersetzen.
Die ursprüngliche Verwendung des Wortes Architektur bezieht sich auf die Tätigkeit und das Wissen des Architekten: altgriechisch architéktos = Oberster Handwerker (Zimmermann), Baukünstler, Baumeister. Die Definition dessen, was „Architektur“ heute ist, hängt demnach vom Berufsfeld des Architekten ab. Der Begriff hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder gewandelt und ist in ganzen Tiefe nur historisch fassbar.
Die Vieldeutigkeit des Wortes Architektur ist vor allem geprägt durch den zweiten Wortteil [techné] und die architektur-theoretischen Interpretationen darüber: Er kann verstanden werden als Kunst, Technik oder Tektonik. Alles dies sind Aspekte, die Architektur gleichermassen und in jeder Hinsicht umfassen und als Begriff mitbeschreiben und sie deutlich zur Bautechnik abgrenzen. Zur Unterscheidung der Definition von Architektur in qualitativer Hinsicht siehe den folgenden Abschnitt "Genauere Definition und Theoriebildung".
Die übertragenen Bedeutungen des Wortes Architektur können aus der „tektonischen“ Interpretation abgeleitet werden. Mit Architektur kann die strukturell organisierte Beziehung von materiellen wie ideellen Teilen oder Modulen beschrieben werden(z.B. in einer Wand (Organisation/Struktur) bestehend aus Mauersteinen (Modul) nach dem Prinzip von Tragen und Lasten (Beziehung)). Dabei wird allerdings das gestaltprägende Element, das in der Regel durch das Wort Architektur mitgemeint ist, vernachlässigt.
Allgemeine Definition
Während Architektur über Jahrhunderte im allerweitesten Sinne als Bauen jeglicher Art verstanden wurde (daher der Begriff Baukunst), wird inzwischen Architektur schon viel öfter über seinen Raum schaffenden Charakter definiert (Raumkunst). Architektur besteht aus diesem Blickwinkel in der Dualität von Raum und Hülle. Architektur schafft eine Grenze zwischen außen und innen. Architektur generiert durch diese Grenze bzw. Hülle einen Raum zum Aufenthalt und Tätigwerden von Menschen, sowie zur Aufbewahrung seiner Dinge, geschützt vor den unerwünschten Einflüssen der Außenwelt (vergleiche Kleidung).
Genauere Definition und Theoriebildung
Die genaue Definition von Architektur ist insbesondere seit Beginn des 20. Jahrhunderts umstritten. Entsprechend werden die meisten Definitionsversuche nur im Kontext bestimmter Debatten um Inhalt, Aufgabe und Bedeutung der Architektur verständlich, wobei auch das jeweilige zeitgenössische Bauen mit seinen ästhetischen, technischen, ökonomischen und politischen Implikationen zu berücksichtigen ist. Ähnlich wie beim Begriff des Kunstwerkes scheint es beim Architekturbegriff nicht möglich, sich auf die bloße Beschreibung eines Wortes oder einer Sache zu beschränken.
Jede differenziertere Begriffsbestimmung erweist sich bei näherer Betrachtung als ein Ringen um Definitionshoheit und Geltungsmacht (siehe hierzu die Schriften des französischen Philosophen Michel Foucault). In diesem Fall darüber, wie Etwas beschaffen sein soll, damit es als „Architektur“ bezeichnet werden darf oder kann - – besonders wenn es sich durch festzulegende Codierungen um Dinge von „erhöhtem“ Wert handeln soll. Aufgrund des so implizierten normativen Aspektes bleibt jede inhaltliche Bestimmung von Architektur kontrovers und ist im Kern ideologisch geprägt. Jeder (inhaltliche) Definitionsversuch - soweit er eine Reflexion enthält - ist bereits Architekturtheorie.
Ein einflussreicher (und stark ideologisch gefärbter) Diskurs darüber, was Architektur eigentlich sei, was Aufgabe des Architekten zu sein habe, ist die Unterscheidung von „Architektur“ und „bloßen Bauen“. Diese Gegenüberstellung soll Architektur anhand einer besonderen gestalterischen Qualität vom einfach nur Nützlichen oder Notdürftigen unterschieden und führt zur Frage, ob und wodurch sie sich auszeichne oder gar zur Baukunst werde (siehe dazu auch Ästhetik). Dabei hat sich die herrschende Auffassung dessen, was bei Entwurf und Herstellung eines Bauwerkes die konstitutiv architektonische Leistung sei und damit das Bauwerk über das rein Zweckhafte hinaus erhebe, im Laufe des vergangenen Jahrhunderts deutlich gewandelt: Bis Ende des 19. Jahrhundert war es vor allem die Verwendung bestimmter überlieferter Bauformen - der sogenannte Stil - mit meist reichen ornamentalen Ausschmückungen, in denen sich der künstlerische Rang als Mehrwert und Schönheit eines Bauwerkes in bewusster Opposition zu einer Sphäre purer Pragmatik] manifestierte. Hingegen wurde mit dem sog. [[Funktionalismus]] des 20. Jahrhunderts ein Begriff von Architektur vorherrschend, der auf den ersten Blick nur zweckhaft bedingte Gebäude (auch Ingenieurkonstruktionen) als Architektur verstanden wissen wollte. Dabei wurden die konstruktiven, [[proportionsgebenden und raumbildenden Aspekte des Bauens zum eigentlichen gestalterischen Thema von Architektur erklärt. Mitunter hat man auch die geringfügigsten gestalterischen Interventionen im Rahmen funktionalistischer Planungen in den Rang einer (bau-)künstlerischen Leistung erhoben. Zugleich wurde mit zahlreichen Proklamationen zur „Modernität“, „Fortschrittlichkeit“ und dem „Ausdruck unserer Zeit“ eine symbolische Überhöhung oder Verklärung der funktionalistischen Architektur angestrebt.
Nach mehreren Versuchen, diese Auffassung in der sog. Postmoderne und dem Dekonstruktivismus zu revidieren, lebte das funktionalistische Architekturverständnis wieder auf. Inzwischen kam die Frage nach dem Vorrang und der Bedeutung der Konstruktion in der Architektur im Verhältnis zu ihren formalkünstlerischen Aspekten zu erneuter Aktualität (siehe dazu: Technizismus, Architektur ohne Architekten).
Zitate zum Thema Architektur
Die folgenden Beispiele von Definitionsversuchen illustrieren die Kontroverse um die Bestimmung von Inhalt und Aufgabe der Architektur und zeigen zugleich wie aktuell die Frage bleibt, wann Bauen überhaupt als „Architektur“ anzusehen sei und was in Abgrenzung vom bloß Nützlichen und bloß Künstlerischem ihre eigentliche Qualität ausmacht:
Architektur ohne Architekten Skizze von Leonardo da Vinci, 1485/90, Venedig, Galleria dell' Accademia]]
- Nach Vitruv (De Architectura) beruht Architektur auf drei Prinzipien: Stabilität (Firmitas), Nützlichkeit (Utilitas) und Schönheit (Venustas).
- Architektur ist Harmonie und Einklang aller Teile, die so erreicht wird, dass nichts weggenommen, zugefügt oder verändert werden könnte, ohne das Ganze zu zerstören. (Leon Battista Alberti 1452 in: De re aedificatoria)
- Dabei ist meist angenommen worden, dass ein Bauwerk erst anfange ein Kunstwerk zu werden, wenn es mehr tue als dem bloßen Bedürfnis zu genügen. (Hermann Muthesius 1908 über den Architekturbegriff des 19. Jahrhunderts in: Die Einheit der Architektur)
- Hermann Muthesius] Nur ein ganz kleiner Teil der Architektur gehört der Kunst an: Das Grabmal und das Denkmal. Alles andere, alles, was einem Zweck dient, ist aus dem Reiche der Kunst auszuschließen. Denn: Das Haus hat allen zu gefallen. Zum Unterschiede zum Kunstwerk, das niemandem zu gefallen hat. Das Kunstwerk ist eine Privatangelegenheit des Künstlers. Das Haus ist es nicht. Das Kunstwerk wird in die Welt gesetzt, ohne dass ein Bedürfnis dafür vorhanden wäre. Das Haus deckt ein Bedürfnis. Das Kunstwerk ist niemandem verantwortlich. Das Haus einem jedem. Das Kunstwerk will die Menschen aus ihrer Bequemlichkeit reißen. Das Haus hat der Bequemlichkeit zu dienen. Das Kunstwerk ist revolutionär, das Haus konservativ. Das Kunstwerk weist der Menschheit neue Wege und denkt an die Zukunft. Das Haus denkt an die Gegenwart. (Adolf Loos 1910 in dem Essay "Architektur")
- Architektur ist das kunstvolle, korrekte und großartige Spiel der unter dem Licht versammelten Baukörper. Unsere Augen sind geschaffen, die Formen unter dem Licht zusehen: Lichter und Schatten enthüllen die Formen. Die Würfel, Kegel, Kugel, Zylinder oder die Pyramiden sind die großen primären Formen, die das Licht klar offenbart; ihr Bild erscheint uns rein und greifbar, eindeutig. Deshalb sind sie schöne Formen, die allerschönsten. Darüber ist sich jeder einig, das Kind, der Wilde und der Metaphysiker. Hier liegen die Grundbedingungen der bildenden Kunst. (Le Corbusier 1922 in: Vers une architecture.)
- Das Schlagwort «das Zweckmäßige ist auch schön» ist nur zur Hälfte wahr. Wann nennen wir ein menschliches [Gesicht]] schön? Die Teile eines jeden Gesichts dienen einem Zweck, aber nur wenn sie vollkommen sind in Form, Farbe und wohlausgewogener Harmonie, verdient das Gesicht den Ehrentitel „schön“. Das gleiche gilt für die Architektur. Nur vollkommene Harmonie in der technischen Zweck-Funktion sowohl wie in den Proportionen der Formen kann Schönheit hervorbringen. Und das macht unsere Aufgabe so vielseitig und kompliziert. (Walter Gropius 1955 in: Architektur)
- Architektur hat mit Kunst nichts zu tun, ist reine Gedankenarbeit. Architektur entsteht heute nach ökonomischen, konstruktiven und funktionellen Gesetzmäßigkeiten. Wir stehen im harten Kampf mit der Wirklichkeit. Und wenn dann noch etwas Ähnliches wie das, was man mit dem Attribut Kunst bezeichnet dazukommt, dann kann man in seinem Leben von einem unwahrscheinlichen Glück sprechen. (Egon Eiermann in: Grosse Architekten HäuserBuch-Verlag)
- Architektur ist Wissen um die Technik, Empfänglichkeit gegenüber der künstlerischen Seite der Angelegenheit. (Arne Jacobsen)
- Architektur und Städtebau sind weder kultureller Luxus noch entbehrliche Dekoration. Vielmehr erwächst aus diesen grundlegenden Bausteinen einer Stadt lebenswerte Umwelt und städtische Identität. (Aus der Zielsetzung des Wiesbadener Architekturzentrum)
- Architektur ist, unabhängig davon, wie profan oder anspruchsvoll der Zweck ist, dem sie dient, letztlich die Gesamtheit der durch Menschenhand veränderten Umwelt und damit eine kulturelle Leistung der Menschen (Meinhard von Gerkan 1982 in: Die Verantwortung des Architekten)
- Mit diesem Märchenglauben an die magischen Kräfte der Architektur, Herz und Seele des Menschen, ja die gesamte Gesellschaft zu revolutionieren, beginnt im 20. Jahrhundert die Geschichte der Überfrachtung der Architektur mit Erlösungsfantasien des Fortschritts. Seither geht es nicht mehr ums Bauen, sondern um das Schaffen von Symbolen. Auch nicht mehr darum zu erforschen, wie eine Stadt tatsächlich funktioniert, wie mit welcher Art von Architektur und Typologie welcher urbanistische Eingriff präzise durchgeführt werden kann. Wichtiger wird, mit möglichst spektakulären Bildern der Gesellschaft Heilserwartungen eines freundlicheren und gefälligeren Lebens zu verkaufen. (Fritz Neumeyer 1994 in: Die Architekturkontroverse in Berlin.)
- Die Baukunst ist auch eine Kunst. [..] Verglichen mit zeitgenössischer Musik oder Malerei hat Architektur ein viel größeres Potential, normale Leute abzuholen, weil etwas einfach sehr gut funktioniert, etwas praktisch ist und schön. (Peter Zumthor)
- Unser Alltag wird zu einem wesentlichen Teil durch die Architektur bestimmt, die uns Tag für Tag umgibt. [..] Die Architektur schafft den notwendigen baulichen Rahmen, in dem wir uns bewegen. Ohne Architektur wäre die menschliche Gesellschaft nicht denkbar. (Jürgen Tietz 1998 in: Geschichte der Architektur des 20. Jahrhunderts.)
Mehr Zitate zum Thema Architektur findet man [http://de.wikiquote.org/wiki/Architektur im Wikiquote unter dem Stichwort Architektur].
Es bleibt festzustellen, dass die Aufgabe und Verantwortung des Architekten auch ist, Haltungen und ein Wertesystem zu entwickeln (oder zu übernehmen) und sie als Maßstab zu nützen, um die von ihm angestrebten Qualitäten zu verwirklichen. - Dass die Bewertungen der jeweiligen Werke der Architekten meist kontrovers ausfallen, ist unvermeidlich, da es sich nicht nur um einen Wettbewerb von Talent und Kompetenz handelt, sondern auch um die Gültigkeit der individuellen Wertesysteme, die architektonische Qualität gewährleisten sollen. Allerdings bleibt durch die Varianz der Architekturauffassungen auch der Formenreichtum in der Architektur gegeben.
Geschichte
Die Geschichte der Architektur ist so alt wie die Menschheitsgeschichte und mit dieser als kulturelles Element eng verwoben. Einen Überblick der einzelnen Entwicklungsschritte findet man unter den Stichworten Architekturgeschichte beziehungsweise Baustil.
Bedeutung
Der moderne Mensch ist ununterbrochen von Gebäuden und Architektur umgeben. Sie kann Stimmung und Psyche positiv wie negativ beeinflussen. Auch auf die physische Gesundheit kann sie Einfluss haben. Architektur hat also für jeden Menschen eine sehr konkrete Bedeutung und bestimmt das alltägliche Leben viel stärker als Musik, Literatur oder Malerei. Die Qualität des Lebensumfeldes sollte der Gesellschaft daher ein wichtiges Anliegen sein.
Nur ein Teil aller Bauwerke und Gebäude ist von Architekten geplant. In wirtschaftlich wenig entwickelten Gebieten wird der überwiegende Teil in Eigenbauweise oder durch Handwerker ohne viel Planung errichtet. In den Industrienationen herrscht die standardisierte Produktion von Gebäuden vor. Architekten spielen im gesamten Bauwesen oft nur eine Nebenrolle und werden vor Allem bei komplexen Planungen oder repräsentativen Bauwerken hinzugezogen. Daraus resultiert auch die weit verbreitete Meinung, Architektur bezöge sich nur auf besondere Gebäude und sei vom "profanen" Bauen zu differenzieren. Die negativen Folgen dieser Abgrenzung zwischen Architektur und Bauen sind in allen modernen Städten sichtbar.
In Deutschland versucht die Initiative Architektur und Baukultur, das Bewusstsein für die hohe Bedeutung der Architektur zu stärken. In Deutschland ist die gute Architektur bisher nicht gesetzlich als Staatsziel oder Kulturgut anerkannt, während zum Beispiel Frankreich schon seit 1977 und Finnland seit 1998 eine dementsprechende Gesetzgebung haben.
Einflüsse
Architektur manifestiert sich immer in einem einzelnen Gebäude. Dessen Gestalt wird insbesondere beeinflusst durch klimatische, technische, topologische und wirtschaftliche Randparameter. Daneben haben aber auch rechtliche, religiöse und politische Gegebenheiten massiven Einfluss auf die Architektur. Vor allem die repräsentative Architektur ist daher der sichtbare Ausdruck einer Gesellschaftform. (Bsp.: Schloss Versailles als Ausdruck des Absolutismus). Die Architektur ist somit ein wesentlicher Teil der kulturellen Identität einer Gesellschaft.
Wichtige Themen
Bestimmte Themen beschäftigen die Architekten immer wieder, unabhängig von Stil und Epoche. Diese Themen sind bei jedem Entwurf, der ja immer ein Unikat ist, neu zu bedenken. Da Architektur die einzige praktische Kunst ist, die neben dem ästhetischen Wert auch einen Gebrauchswert hat, steht sie immer im Spannungsfeld von Kunst und Funktion.
Raum
Die Definition, Dimensionierung, Disposition, Fügung und formale Gestaltung von Räumen ist die wichtigste Aufgabe der Architektur. siehe dazu: Raum (Architektur)
Funktion
Das gute Funktionieren eines Gebäudes ist oberstes Ziel eines Entwurfes. Das betrifft sowohl die Funktionsabläufe als auch das technische Funktionieren der Gebäudehülle.
Doch reicht es nicht, den Begriff "Funktion" auf die technischen Ablaeufe zu reduzieren, vielmehr gehoeren auch aesthethische und nicht-technische Prozesse in den Bereich der "Funktionen", die ein Bauwerk zu erfuellen het.
Gestaltung
Die Gestalt des Gebäudes, also sein Grundriss, seine Form und Kubatur, das alles sind Aspekte, die sich nicht allein von der Funktion ableiten lassen. Ein Entwurf laesst sich nicht anhand aller Randparameter "generieren". Dazu kommt immer die Komponente der ästhetischen und formalen Gestaltung. Wie sollen die Fassaden aussehen? Welche Farben und Materialien werden verwendet. Das alles liegt im Ermessensspielraum der Gestalter (und damit sowohl des Architekten aber auch des Bauherren).
Beziehung zur Umgebung
Das idealisierte Leitbild der Architektur ist der Entwurf eines Bauwerkes, das mit der Umgebung in vielschichtiger Art und Weise in Verbindung steht. Die Beziehung wird zum Beispiel durch Formgebung, Farbgestaltung und Materialauswahl hergestellt.
Ideelle Bedeutung
Jedes Gebäude macht durch seine Gestalt eine Aussage zu seiner Funktion oder Bestimmung. Die Französische Nationalbibliothek zum Beispiel hat die Form von vier aufgeklappten Büchern und signalisiert somit ihre Funktion nach außen.
Im äußersten Fall erreicht der Architekt durch sein Werk eine Akzeptanz bei der Bevölkerung, das in diesem ein Symbol seiner Werte und Lebenseinstellung sieht. Beispiele sind der Eiffelturm in Paris (als Sinnbild für die Stadt) oder die Twintowers in New York, die als Symbol des Kapitalismus und der westlichen Kultur zerstört wurden.
Architektur in der Praxis
Neben der Architektur, die sich mit einzelnen Gebäuden beschaeftigt sind weitere Bereiche, die heute unter architektonischen Gesichtspunkten betrachtet werden Innenarchitektur, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur.
Fachgebiete
- Hochbau: Wohnungsbau, Gewerbebau, Sonderbauten wie Theater, Krankenhäuser und Schulen
- Landschaftsarchitektur
- Innenarchitektur
- Städtebau
- Messebau
Berührungspunkte
"Laien"
Das Thema Architektur wird in Deutschland nur selten in der breiten Öffentlichkeit diskutiert. Während andere Künste wie zum Beispiel Musik, Design und Mode für viele Menschen durchaus ein Gesprächsthema sind, wird die Debatte über zeitgenössische Architektur oft den Fachleuten überlassen.
Die Verantwortung für die gebaute Umwelt liegt aber nicht allein in der Verantwortung der Architekten. Ihr Einfluss wird oft überschätzt. Im Wesentlichen ist es der jeweilige Bauherr, der die Richtung vorgibt. Er wählt den Architekten, der natürlich seine eigenen Ideen und Standpunkte hat (denn sonst wäre er handlungsunfähig), aus und macht die Vorgaben.
Musik
Architekt
Musik und Architektur gehören seit langer Zeit zum menschlichen Kulturgut. In der griechischen und römischen Antike waren sie viel enger miteinander verknüpft als dies heute der Fall ist. Die Proportionslehre in der Architektur (vor allem der Renaissance) bezieht sich auf die Harmonielehre in der Musik.
Architekten, Musiker und Philosophen haben in den Jahrhunderten nicht nur immer wieder Verbindungen zwischen den beiden Künsten gesucht und auch geschaffen, sondern sich auch wechselseitig neue Impulse gegeben. Der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling sagte im Jahre 1859: Architektur ist erstarrte Musik. In ähnlicher Weise ist bei Arthur Schopenhauer zu lesen: Architektur ist gefrorene Musik.
Neben den Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten auf der geistigen Ebene gibt es auch pragmatische Berührungspunkte der beiden Künste. Musiker waren zu jeder Zeit abhängig von den Räumen, die ihnen zur Verfügung standen. Die Eigenschaften eines Aufführungsraumes sind wichtig für die klangliche "Gestalt" der Musik.
Beispiele für die starke Wechselbeziehung:
- Musik wird zu Architektur: An der Fassade des Palazzo Rucellai in Florenz hat Leon Battista Alberti Intervallverhältnisse zu einem kunstvollen Proportionsgefüge verknüpft. Steven Holl übertrug ein „Stretto“ von Béla Bartók in die Architektur.
- Architektur wird zu Musik: Guilleaume Dufay (1400-1474) komponierte seine Motette Nuper rosarum flores zur Einweihung des von Brunelleschi vollendeten Florentiner Domes.
- Musik im Einklang mit der Architektur: Der griechische Komponist und Architekt Iannis Xenakis entwarf für die Weltausstellung 1958 in Brüssel den Philips-Pavillon. Der Pavillon war die architektonische Umsetzung seines Orchesterwerkes Metastaseis.
- Architektur als Klangkörper für Musik: Der Architekt | | |